Aus Ferienbungalows werden Häuser fürs Älterwerden

Entkernt: Die Hausbesitzer haben bereits mit der Sanierung der Bungalows begonnen.

Bad Emstal. Als der Tourismus in Bad Emstal so richtig boomte, tummelten sich hier die Urlauber. Jetzt wird die ehemalige Feriendorfsiedlung zum Areal für Menschen, die eine gemeinsame Vorstellung vom Wohnen im Alter haben.

Mitten in der Natur, barrierefrei und eingebettet in eine Gemeinschaft: Aus der ehemaligen Feriendorfsiedlung in Sand wird derzeit ein modernes Wohngebiet für Menschen, die sich intensiv mit dem Leben im Alter auseinandersetzen. Die Wohnungsbaugenossenschaft Genoviva aus Kassel hat das Gelände erworben und baut die bestehenden 24 Bungalows um. Bereits im kommenden Frühjahr sollen die ersten Häuser bezogen werden, sagt Sabine Conti, Vorstand der Genossenschaft.

„Jeder baut seinen Bungalow nach seinen Vorstellungen“, sagt Conti. Während das Grundstück der Genossenschaft gehört, wurden die Gebäude im Erbbaurecht vergeben. Das bedeutet: Sollte sich ein Mitglied irgendwann zum Wiederverkauf seines Hauses entschließen, geht das nur mit dem Einverständnis der Wohnungsbaugenossenschaft. „Damit wollen wir sicherstellen, dass die Gemeinschaft erhalten bleibt“, sagt die 52-Jährige. Und die wird bei allen individuellen Gestaltungsmöglichkeiten groß geschrieben. So sollen in zwei, drei Jahren Gemeinschaftsräume entstehen. Bei den alle vier Wochen stattfindenen Treffen der Genossenschaftler wurden bereits Ideen gesammelt. Angeregt wurde die gemeinsame Nutzung von Fahrzeugen, die Anlage eines Gemeinschaftsgartens und einer Apfelbaumplantage, das Halten von Hühnern, der Bau einer Sauna und die Installation eines Hausnotrufsystems.

Starker Zusammenhalt

Ohne die Werbetrommeln für das Projekt gerührt zu haben, hätten die meisten Bungalows bereits Abnehmer gefunden. Nur noch drei Gebäude seien zu vergeben, sagt Conti. Die Wohnungsbaugenossenschaft habe um die 80 Mitglieder. Die lebten nicht alle nur im Raum Kassel, einige hätten ihren Wohnsitz in anderen Regionen Deutschland, etwa in Berlin oder Frankfurt. Mit dem Erwerb der Bungalows würden sie dann nach Bad Emstal ziehen. Die Menschen verbinde, dass sie sich mit dem Wohnen im Alter beschäftigen, sagt Conti, die sich als Architektin spezialisiert hat auf gemeinschaftliche Wohnprojekte. Viele ziehe es aus den großen Stadtwohnungen hinaus in die Natur. Ein kleines, barrierefreies Häuschen auf dem Land ist für sie das Nonplusultra. Hinzu komme der Zusammenhalt unter Gleichgesinnten, die im Alter mit ähnlichen Problemen konfrontiert seien.

Die Bungalows, die Ende der 1960er-Jahre als Ferienhäuser errichtet wurden, haben im unsanierten Zustand eine Fläche von 65 Quadratmetern. Die Bauherren haben die Möglichkeit, den Grundriss und damit die Wohnfläche zu jeder Seite um maximal fünf Meter zu erweitern. Ausgelegt sind sie für zwei Personen.

Der Altersdurchschnitt der Mitglieder, die sich an dem Wohnprojekt in Bad Emstal beteiligen, liegt derzeit bei Ende 40. Conti: „der Älteste ist Mitte 70, der Jüngste vier Jahre alt.“ Kontakt: sabine.conti@sun-pi.de

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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