Willingshäuser Stipendiatin Jana Lange bereitet ihre Ausstellung in der Kunsthalle vor

Aus der Ferne in die Nähe

Lebt und arbeitet seit derzeit in Willingshausen: Die Berliner Künstlerin Jana Lange, hier mit Sohn Jaro (5), fühlt sich im Hirtenhaus in der früheren Künstlerkolonie sehr wohl. Foto: Rose

Willingshausen. Ein wenig Angst hatte Jana Lange, in Willingshausen womöglich zu vereinsamen. Doch die Dorfbewohner belehrten sie eines Besseren. Seit Ende März lebt und arbeitet die 31-Jährige in der Mitte des Ortes, im Hirtenhaus und im Atelier des Gerhardt-von-Reutern-Hauses. In der Mitte ist die Berlinerin auch in Willingshausen angekommen. Aktuell bereitet die Stipendiatin ihre Ausstellung vor, die demnächst in der Kunsthalle zu sehen ist.

Den „Kulturschock“, von Berlin für drei Monate in die Schwalm zu ziehen, hat Jana Lange gut verkraftet: „Ich erlebe die Menschen im Ort als sehr offen.“ Allein ist die Stipendiatin nicht im Hirtenhaus. Von Anfang an dabei ist ihr Hund, Söhnchen Jaro ist aktuell auch zu Besuch bei der Mama. „Es ist wichtig, zwischendurch ab und zu wieder nach Berlin zu fahren – auch um von der Arbeit Abstand zu bekommen“, sagt sie.

Mensch und Tier

Gar nicht auf Abstand geht die 31-Jährige bei ihren Projekten: Schon länger beschäftigt sich Jana Lange mit dem Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Viel Zeit hat sie deshalb an einer Kuhweide im Ort verbracht. „Ich habe die Tiere beobachtet und dabei fiel mir auf, dass sie, obwohl sie in einer kleinen Welt ohne neue Eindrücke leben, gut zurecht kommen“, erzählt die Stipendiatin.

Übertragbar sei das auf die Menschen: „Jeder lebt auch irgendwie in seinem begrenzten Kosmos.“ Für ihre Fotografien habe sie versucht, „den Kopf auszuschalten, nur zu fühlen und umzusetzen“. In ihrer Ausstellung verbinde sie zum ersten Mal eigene Fotos mit weiteren Bildern. „Es sind Fotos von der Nasa, vom Weltall. Sie sollen verdeutlichen, dass das Nahe auch irgendwie mit der Ferne verbunden ist. Wir sind alle ein Teil vom großen Ganzen.“ Die 31-Jährige bannt Teilbereiche auf Papier, bildet Details ab, lenkt den Blick auf die kleinen Dinge.

Zur Ruhe gekommen

Als inspirierend hat Jana Lange die Gespräche mit den Willingshäusern empfunden. Bei Spaziergängen mit ihrem Hund seien schnell Kontakte entstanden. „Es gab sogar tiefgründige Gespräche über das Leben und den Tod“, sagt sie. „Ich habe gemerkt, wie ich durch die Atmosphäre hier im Ort zur Ruhe gekommen bin.“

Häufiger zuvor habe sie bis zu sechs Monate für Arbeiten in kleineren Orten gelebt. „Integriert gefühlt habe ich mich selten, in Willingshausen ist das anders“, erklärt Lange. In eineinhalb Wochen zeigt die Künstlerin ihre Fotografien in der Kunsthalle – in der Mitte Willingshausens.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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