Geschäft in der Wagnergasse

Nach 40 Jahren hat der „Fernseh-Becker“ sein Geschäft abgegeben

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Das Sagen hat nun ein anderer: Heinz Georg Becker (70) wünscht seinem Nachfolger Marco Körner eine glückliche Hand.

Treysa. In Treysa kennt man ihn unter dem Namen Fernseh-Becker – die Rede ist von Radio- und Fernsehtechnikermeister Heinz-Georg Becker. 40 Jahre lenkte er die Geschicke des eigenen Betriebes. Jetzt gibt der Treysaer diese Aufgabe in neue Hände.

Aus Gesundheits- und Altersgründen zieht sich der 70-Jährige aus der Firma zurück. Neuer Geschäftsinhaber ist ab sofort Marco Körner aus Borken.

Begonnen hatte Becker mit seinem Betrieb 1973 in einem 30 Quadratmeter großen Kellerraum in der Wagnergasse. Zum Schritt in die Selbständigkeit entschloss er sich, weil in der Schwalm ein Einzelhändler gestorben war und ein Großhandel seine Türen schloss. „Es gab in dieser Branche eine Unterversorgung“, berichtete Becker. Davon profitierte die frisch gegründete Firma: Besonders die Nachfrage nach Farbfernsehern mit Fernbedienung und Hifi-Produkten war groß. Nach acht Wochen beschäftigte Becker drei Mitarbeiter.

Nur ein Jahr später zog die Belegschaft in die neuen Geschäftsräume um – in der Wagnergasse findet sich das Geschäft bis heute. Besonderen Wert legte Becker stets auf die Ware: „Im Gegensatz zu Märkten verkaufen kleinere Geschäfte wertigere Ware. Das funktioniert aber nur mit Fachleuten“, ist Becker überzeugt.

Mit den Mitbewerbern fand der Unternehmer immer eine Lösung: „Wir haben uns die Marktanteile aufgeteilt.“ In der Spitze beschäftigte der Betrieb zwölf Mitarbeiter, zuletzt vier. Becker stellt klar: „Das Schiff wird zwar vom Kapitän gelenkt, aber ohne die Mitarbeiter am Ruder läuft nichts.“

Das Angebot wurde nach und nach erweitert – um den Bereich Telekommunikation und Haushalts-Kleingeräte. Von Anfang an wichtig war dem Unternehmer der Kundendienst. Wenn abends der Fernseher streikte, war Heinz Georg Becker die letzte Rettung. Dabei erlebte er manch kuriose Geschichte. Wie etwa die einer Dame, die sich darüber wunderte, dass der Fernseher immer dann ausging, wenn sie sich im Sessel zurück lehnte.

Des Rätsels Lösung war die Fernbedienung, die auf Ultraschall reagierte. Denn ausgerechnet das Quietschen des Fernsehsessels war eben auf jener Frequenz. Mit einem Tröpfchen Öl war der Kundin geholfen.

Den guten Service und den guten Ruf will auch der neue Inhaber Marco Körner erhalten. Der gelernte Steuerfachwirt hat bereits ein Geschäft in Borken. Alle vier Mitarbeiter hat er übernommen. Körner plant, das Geschäft nach und nach umzubauen und zu modernisieren – der Laden bleibt geöffnet. Neu im Sortiment sind Haushaltsgroßgeräte, das Geschäft wird zum Euronics Einkaufsverbund gehören.

Heinz Georg Becker ist froh, dass er einen Nachfolger gefunden hat: „Ab und zu werde ich im Laden auch nochmal guten Tag sagen“, verspricht er.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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