Fertigung ist Geschichte

100 Rohde-Mitarbeiter verlieren offiziell Arbeitsplätze

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Ein Bild vergangener Tage: Schuh-Rohde stellte im vergangenen Jahr die Produktion in Ziegenhain ein. Für 100 Mitarbeiter ist die Kündigung jetzt wirksam.

Schwalmstadt/Ziegenhain. Lohnverzicht, Mehrarbeit, Entlassungen lauten nur einige Stichworte - und trotzdem ist es seit dieser Woche für 100 Menschen und ihre Familien bittere Realität: Ihre Kündigungen sind wirksam.

Der Schuhhersteller Rohde hatte ihnen im vergangenen Jahr gekündigt, weil das Unternehmen die Produktion in Schwalmstadt einstellt und ins Ausland verlagert. Am 28. Februar war für sie offiziell der letzte Arbeitstag. 20 weiteren steht dieser Tag in den kommenden Wochen noch bevor.

Schuh-Rohde besiegelt damit die zweite Entlassungswelle in jüngster Zeit. Bereits 2008, nach der Insolvenz und Übernahme durch die Investmentgesellschaft Square Four und der Investmentbank Morgan Stanley, blieb 200 Rohde-Mitarbeitern nichts anderes als der Gang zum Arbeitsamt.

Von den einst weltweit 1700 Beschäftigten des Unternehmens bleiben nun nach Angaben der Betriebsratsvorsitzenden Ute Langstädtler noch 160 Mitarbeiter am Standort in Schwalmstadt. Sie werden weiterhin in den Bereichen Verwaltung, Logistik, Modellabteilung und Produktentwicklung arbeiten.

Schuh-Rhode schließt Produktion in Schwalmstadt

Vor fünf Jahren waren die neuen Investoren unter dem Motto sanieren und nicht zerschlagen angetreten. Wo die Wahrheit heute liegt, können die Betriebsratsvorsitzende und Hans Schweinsberg, stellvertretender Bezirksleiter der Industriegewerkschaft, Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE), nicht sagen. „Wir wollen keinen Konflikt, aber wir haben mitverantwortet und wollen wissen, worüber wir entschieden haben“, betonte Schweinsberg. Mit der Geschäftsführung hatten sie für die von der jüngsten Entlassungswelle Betroffenen einen Interessensausgleich und Sozialplan ausgearbeitet.

590.000 Euro sollen nach Informationen der HNA zur Verfügung gestanden haben. Durchschnittlich erhielten Mitarbeiter, die häufig über Jahrzehnte im Betrieb gearbeitet haben, 4500 Euro Abfindung. Um den Fortbestand des Unternehmens nicht zu gefährden, hatten Betriebsrat und Gewerkschaftsvertreter keine Alternativen gesehen. Für die verbleibenden Mitarbeiter „wollen wir eine strategische und finanzielle Absicherung“, erklärte Schweinsberg.

Als schwierige Phase bezeichnet Rohde-Geschäftsführer Oliver Kraxner die aktuelle Situation im Unternehmen: „Langjährige Mitarbeiter und Kollegen verlieren ihren Job.“ Hauptziel sei es allerdings weiterhin, Rohde zukunftsfähig zu machen. „Wir tun alles dafür, dass Rohde ein Arbeitgeber vor Ort bleiben kann“, betonte Kraxner. Dieser Prozess trage zur Sicherung der vorhandenen Arbeitsplätze bei.

Die Unternehmensleitung blickt seinen Angaben nach nun verhalten optimistisch in die Zukunft. Dafür gebe es generell positive Signale. Zum einen zeige der Schuhmarkt eine leichte Erholung, zum anderen sei man dabei, die Marke Rohde neu zu positionieren. Das reiche von der Entwicklung bis zur Vermarktung. Es gebe zum Beispiel eine neue Kollektion, die sich in die richtige Richtung entwickele, sich insgesamt moderner präsentiere.

„Rohde bleibt eine deutsche Marke“, betonte Kraxner. Sämtliche Rohde-Schuhe werden weiterhin in Schwalmstadt entwickelt.

Quelle: HNA

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