Theodor und Lydia Finkbeiner aus Treysa feiern heute ihre Eiserne Hochzeit

Fest gab’s nach 50 Jahren

Freuen sich auf ein großes Fest mit 50 Gästen: Theodor und Lydia Finkbeiner (beide 84) stammen aus dem Kaukasus und leben seit 1988 in Treysa. Foto: Rose

Treysa. Jeden Tag danken Lydia und Theodor Finkbeiner dem lieben Gott, dass sie noch am Leben sind. Als beide 22 Jahre waren, wurden sie in Russland eingekerkert, weil man sie der Spionage beschuldigte. 1988 verließen Finkbeiners ihre Heimat, den Kaukasus, in Richtung Deutschland: Ihr neues Zuhause fand die Familie ein neues Zuhause. Seitdem genießen Lydia und Theodor Finkbeiner den Frieden und die Freiheit. Heute feiert das Paar seine Eiserne Hochzeit.

Geboren sind beide in Russland, aber wirklich verwachsen mit dem Land, in dem sie gemeinsam zur Schule gingen, sich kennenlernten, ihre acht Kinder aufzogen, waren Finkbeiners nie. „Man hat uns Deutschrussen als Menschen nicht geachtet, sondern uns wie Vieh behandelt“, sagt Lydia Finkbeiner. Viele Jahrzehnte lag Dunkelheit über der Familie. Die deutschen Wurzeln waren dem Staat ein Dorn im Auge.

Lydia und Theodor lernten sich in der Schule kennen, mitten im Krieg. Als Theodor 1947 vom Dienst in der Arbeitskolonie zurückkehrte, sagte er zu seiner Zukünftigen: „Du hast nichts, ich hab gar nichts – lass uns heiraten.“

Es wurde ein schmuckloser Tag. Ohne Kleid und Schleier, ohne Feier und Familie. „Unsere beider Namen wurden einfach auf dem Standesamt zusammengeschrieben“, sagt Theodor Finkbeiner. „Ich hatte meine Hochzeitsfeier eigentlich erst 50 Jahre später“, sagt seine Frau. Ein Jahr später bezichtigte man das Paar der Spionage. Beide wurden inhaftiert – einzeln. Theodor zählte im Kerker ohne Tageslicht Stunde um Stunde, kratzte beim morgendlichen Glockenschlag jeden Tag einen Strich an die Wand. Über ein halbes Jahr später entließ man ihn, Monate später auch seine Frau und den kleinen Sohn, der in Gefangenschaft zur Welt gekommen war.

Arbeitsdienste waren Alltag

Fortan bestimmten Arbeitsdienste den Alltag, Theodor Finkbeiner wurde Schlosser, arbeitete als Lastwagenfahrer. „Es war ein elendes Leben“, sagt Lydia Finkbeiner. Mitte der 1960er-Jahre ein Lichtblick: Der Bau des eigenen Hauses im Kaukasus. Doch das Klima im Land blieb. 1988 ließen die Finkbeiners alles zurück, wagten den Weg nach Deutschland. Zuvor hatten sie über die Familienzusammenführung Kontakt zu Lydias Schwester in Deutschland geknüpft. „Wir waren 1988 zwei von 147 000“, erzählt Theodor Finkbeiner.

Mit ihrem Leben sind beide sehr zufrieden: „Wir sind noch einigermaßen gesund und beieinander.“ Lydia strickt noch recht gern und geht regelmäßig spazieren, ihr Mann hat nicht nur seine Lebensgeschichte aufgeschrieben, sondern verfasst auch Gedichte.

Ihre Hochzeit ohne Fest liegt nun 65 Jahre zurück. Deshalb wollen Finkbeiners ihre Eiserne Hochzeit ganz groß am heutigen Ostersamstag feiern. Gratulieren werden die Kinder, 16 Enkel, 14 Urenkel und ein Ururenkel sowie Verwandte. (zsr)

Quelle: HNA

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