Fest der leisen Töne: Höllchenwiese wird zum Freiluft-Wohnzimmer

Heiterer Nachmittagsspaß: Gerd der Gaukler begeistert gemeinsam mit Märchenerzählerin Andrea Ortolano die kleinen Festivalbesucher. Fotos: Hoffmann

Dörnberg. Eigentlich ist er immer unterwegs. „On the road“, wie es in Musikerkreisen so schön heißt. Kaum hat er die Gitarre beim einen Konzert eingepackt, geht es auch schon zum nächsten. Und wenn Robert Carl Blank auf der Autobahn mal wieder in einen Stau gerät, dann ist es das Beste, was passieren kann.

Zumindest für sein Publikum, denn statt sich in die Blechschlange einzureihen, fährt der Hamburger Singer-/Songwriter einfach rechts ran, packt seine Gitarre aus und fängt an, traumhaft schönen Lieder zu komponieren. Einige davon hat er am Samstagabend mit zum Höllchen gebracht, wo am Wochenende zum 27. Mal das Fest der leisen Töne ins kleine Waldstück oberhalb von Dörnberg lockte.

Einmal im Jahr verwandelt sich das in ein urgemütliches Open-Air-Wohnzimmer, wenn die kunterbunten Glühbirnen zwischen Bühne und Publikumszelt munter in die Dunkelheit leuchten und es sich die Besucher auf Strohballen gemütlich machen. Die gehören einfach dazu, wenn sich Musiker unterschiedlichster Couleur von Anne-Clarke-Gitarrist Jeff Aug bis Lokal-Matador Mike Gerhold auf der Bühne die Gitarre in die Hand geben und gemeinsam mit den zirpenden Grillen den Soundtrack zu einem romantischen Abend unter freiem Himmel liefern. War es anfangs eher ein Insider-Tipp, der nur einen kleinen Kreis von Enthusiasten anzog, hat sich das Fest der leisen Töne inzwischen zu einem Kulturereignis für die gesamte Region gemausert.

Auch die Künstler kommen immer gern zurück, wie Robert Carl Blank, der schon vor zwei Jahren mit seinen Songperlen begeisterte. Das gelingt ihm auch diesmal dank seiner Fähigkeit, das Publikum mitzunehmen auf eine Reise um die Welt. Wenn er dazu sanft die Saiten seiner Gitarre anschlägt, ist die Leidenschaft förmlich zu spüren.

Fest der leisen Töne in Wolfhagen

So auch bei Tim McMillan, auch wenn der sein Instrument alles andere als sanft behandelt. Was der in Berlin lebende Australier seiner Gitarre entlockt, ist kaum zu beschreiben. Sie dient als Kanal, um die vielen verschiedenen Musikstile zum begeisterten Publikum strömen zu lassen, die sich in McMillans Kopf zu einer neuen Einheit formen. Launige Rockklassiker gepaart mit Gangsta-Rap etwa - auf die Idee muss man erstmal kommen. McMillan traut es sich und ist so überall und doch nirgendwo einzuordnen, Schubladen sind für den Gitarrenvirtuosen zu klein. Er begeistert mit eigenwilligen Genremixereien und ist damit der herausragendste Künstler des diesjährigen Höllchenfestes.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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