„So fest wie Ziegenhain“

Festung gehört zu den ältesten nahezu noch erhaltenen Anlagen Deutschlands

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Ziegenhain. Am Wochenende  des 10. und 11. Mais wird Ziegenhain ganz im Zeichen des 475-jährigen Jubiläums der Wasserfestung stehen. Höhepunkt wird ein stehender Festzug sein.

Innerhalb der sumpfigen Schwalmebene lag die Burg der Grafen von Ziegenhain, deren Territorium nach dem Tod des letzten Grafen 1450 an Hessen fiel. Mit dem Ausbau der protestantischen Landesherrschaft nach der Reformation erfolgte unter Landgraf Philipp 1537 bis 1546 der Umbau Ziegenhains zu einer Festung, indem er das Oval der Stadt mit einem Erdwall auf einem Viereck von 240 bis 330 Meter Seitenlänge umfassen ließ.

Als Baumeister werden Heinz von Lüder, Jost Riemenschneider und Balthasar von Germersheim erwähnt. Der Landgraf hatte die strategischen Vorteile dieses Ortes erkannt: Ziegenhain deckte Kassel gegen Ziegenhain. Die Wasserfestung mit dem Graben und den vier Rondellen zeichnet sich deutlich ab. Der Grabenform folgt auch die Bebauung auf dem ehemaligen Glacis (Erdanschüttung). Die Flächen zwischen den Rondellen auf einer Seite sind von der Justizvollzugsanstalt besetzt. Ein Rondell, der Drachenberg, ist als einziges noch von Bebauung freigehalten.

Lageplan 1804/1833: Die Festung wurde im Süden von der Alten Schwalm umflossen und im Norden von der Neuen Schwalm, einem künstlichen Graben. Dazwischen gab es ein System von Schleusen.

Ziegenhain deckte Kassel vor Einfällen von Süden her, stellte inmitten einer ertragreichen Gegend ein bedeutendes Versorgungsdepot dar und war zugleich das Bindeglied zwischen den Festungen Gießen und Kassel. Außerdem konnte ein Angreifer wegen der ausgedehnten sumpfigen Umgebung auf Distanz gehalten werden.

Die Umfassung vor den Stadtmauern erfolgte 1537 derart knapp, dass nur in den Zwickeln zwischen dem Oval und den vier Ecken Reserveflächen für Neubauten verblieben, die aber dem Militär vorbehalten waren: Die Planung ging demnach von einer regelrechten Garnisonsstadt aus. Das Viereck der Festungsstadt umgab ringsum ein Erdwall mit Wallgang und Brustwehr.

Die hessischen Landgrafen hielten ihre Festung Ziegenhain für so zuverlässig, dass sie hier ihr Archiv einrichteten und den Staatsschatz unterbrachten; hier wurden ebenfalls die Finanzmittel des Schmalkaldischen Bundes verwahrt. Aber auch als sicheres Staatsgefängnis für politische Gefangene wurde die Festung benutzt.

Bald prägte man das geflügelte Wort: „So fest wie Ziegenhain.“

Den Beweis der Uneinnehmbarkeit brauchte die Festung aber zunächst nicht anzutreten; denn im Dreißigjährigen Krieg fanden nur einige Gefechte in der Nähe statt.

Von Elmar Brohl 

Den ausführlichen Bericht lesen Sie in unserer Donnerstagausgabe der HNA-Schwälmer-Allgemeinen

Quelle: HNA

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