Wehrführer und Atemschutzgeräteträger fehlen 

Feuerwehr Dagobertshausen droht das Aus 

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Wer übernimmt das Steuer bei der Dagobertshäuser Feuerwehr? Carl Oesterling, stellvertretender Wehrführer, wünscht sich einen neuen Chef für die Einsatzabteilung.

Dagobertshausen. Der Feuerwehr Dagobertshausen droht das Aus. Der Posten des Wehrführers ist seit Monaten unbesetzt, zudem fehlen der Einsatzabteilung Atemschutzgeräteträger.

Wenn sich daran nichts ändert, wird die Feuerwehr in dem Malsfelder Ortsteil aufgelöst, kündigt Bürgermeister Herbert Vaupel an. „Das wäre der schlimmste Fall“, stellt Vaupel klar. Die Gemeinde will alles daran setzen, die Ortsteil-Wehr zu erhalten – und ruft deshalb Freiwillige auf, der Einsatzabteilung beizutreten. Infrage kämen dafür auch Bewohner anderer Malsfelder Ortsteile. 

Zu diesem Thema ist jetzt eine Versammlung in Dagobertshausen geplant. Es ist nicht der erste Versuch, die Feuerwehr in Dagobertshausen zu retten. Ende Februar wurde in einem Schreiben an die Anwohner appelliert, sich dort zu engagieren. „Die Resonanz ging gegen null“, berichtet Vaupel. „Da fühlt man sich allein gelassen.“ Eine Pflichtfeuerwehr sei zwar theoretisch möglich. „Aber ich finde, man kann die Leute nicht zwingen.“ 

Schon seit dem 20. Januar dieses Jahres hat die Feuerwehr Dagobertshausen keinen Wehrführer mehr. Der frühere Wehrführer Matthias Kriegisch wollte sich nicht mehr für das Amt aufstellen lassen, weil in der Einsatzabteilung Atemschutzgeräteträger fehlen. Dieses Risiko wollte er nicht mehr mittragen. Von April bis Juni hatte Jörg Hofmann, Wehrführer der Feuerwehr Malsfeld/Beiseförth, das Amt für Dagobertshausen kommissarisch übernommen. Jetzt steht die Wehr wieder ohne Führung da.

Sollte die Dagobertshäuser Feuerwehr aufgelöst werden, hätte das Folgen für den Brandschutz. Zwar könnten es die Feuerwehrleute aus anderen Ortsteilen immer noch gewährleisten, innerhalb von zehn Minuten nach der Alarmierung am Einsatzort in Dagobertshausen zu sein. Aber oft sei es entscheidend, ob man schon nach fünf oder erst nach neun Minuten vor Ort sei, sagt Stefan Schnaudt, stellvertretender Gemeindebrandinspektor. Nicht nur der Anfahrtsweg spielt eine Rolle – auch die Ortskenntnis fehle, wenn Feuerwehrleute aus anderen Ortsteilen nach Dagobertshausen ausrücken müssen. Bedauerlich sei zudem, dass auch die Jugendfeuerwehr und die Alters- und Ehrenabteilung von der Auflösung betroffen wären, sagt Bürgermeister Vaupel. Nur der Feuerwehrverein könne bestehen bleiben.

Zwölf Mitglieder hat die Einsatzabteilung derzeit – aber nur der stellvertretende Wehrführer Carl Oesterling und ein weiteres Mitglied haben einen Atemschutzlehrgang absolviert. Zwei Atemschutzgeräteträger seien zu wenig, erklärt Oesterling. „Vier wären das Minimum, sechs wären besser.“

Denn anders als bei einer Berufsfeuerwehr sind bei einer Freiwilligen Feuerwehr nicht bei jedem Einsatz alle Brandschützer verfügbar. Sind zu wenig Atemschutzgeräteträger in der Einsatzabteilung, könnte es schlimmstenfalls passieren, dass die Feuerwehr vor einem brennenden Haus steht und es nicht betreten kann – weil die Atemschutzgeräteträger nicht am Einsatzort sind.

In diese Situation wollte der frühere Wehrführer Matthias Kriegisch nicht geraten und ließ sich deshalb nicht erneut für das Amt aufstellen.

Carl Oesterling will Kriegisch nicht beerben. „Ich habe die Zeit nicht“, sagt der 35-Jährige. Denn als Wehrführer müsse man nicht nur zu den Einsätzen ausrücken, sondern zum Beispiel auch die Übungsabende für die Einsatzabteilung vorbereiten und leiten. Hinzu komme viel Verwaltungsaufwand. Man müsse bereit sein, viel am Computer zu arbeiten, schildert Oesterling.

Wenn die Dagobertshäuser Einsatzabteilung aufgelöst werden sollte, würden sich einige Mitglieder den Wehren in den Nachbarorten anschließen, sagt Oesterling. Wobei sich daraus auch absurde Situationen ergeben könnten: „Wenn es in Dagobertshausen brennt, müssten wir erst nach Malsfeld fahren, uns dort umziehen und dann zum Löschen wieder zurück nach Dagobertshausen fahren“, sagt der stellvertretende Wehrführer.

Warum es der Feuerwehr an Nachwuchs fehlt? „Es sind immer weniger Leute bereit, Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen“, sagt Winfried Hucke, Ortsvorsteher von Dagobertshausen. Das sei ein generelles Problem, das der kleine Ort mit seinen 270 Einwohnern nicht lösen könne.

„Das ist eine traurige Geschichte“, sagt Hucke.

Er sehe es fast als aussichtslos an, aus dem Stegreif jemanden zu finden, der die Wehrführung in Dagobertshausen übernimmt. „Wir haben die Leute persönlich angesprochen, aber es findet sich keiner, der es machen will“, schildert er.

Eine mögliche Lösung wären Quereinsteiger, die bislang nichts mit der Feuerwehr zu tun hatten und sich jetzt bereit erklären würden, den Grundlehrgang und den Atemschutzlehrgang zu absolvieren.

Dann gäbe es doch noch Hoffnung für die Dagobertshäuser Feuerwehr. „Wenn die Kinder aus dem Haus sind, haben die Leute oft wieder mehr Zeit und Lust, sich zu engagieren“, sagt Carl Oesterling. Um in der Einsatzabteilung mitzumachen, müsse man nicht schon von klein auf in der Feuerwehr gewesen sein.

In jedem Fall muss bei der Feuerwehr Dagobertshausen bald etwas passieren. „Der jetzige Zustand ist unbefriedigend“, sagt Bürgermeister Herbert Vaupel, „bis Ende September muss eine Entscheidung her.“ 

Bei einer Versammlung am Dienstag, 22. August geht es um die Zukunft der Einsatzabteilung. Beginn ist um 19 Uhr im Gasthaus Hofmann, Unterecke 9 in Dagobertshausen.

Quelle: HNA

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