Feuerwehren durch Staus oft ausgebremst

Wolfhager Land. Bei Unfällen auf der Autobahn haben Feuerwehren im Wolfhager Land immer wieder Probleme, den Einsatzort zu erreichen.

Der Grund: Die Autofahrer bilden im Stau vor der Unfallstelle keine Rettungsgasse.

„Fast bei jedem Einsatz auf der Autobahn hatten wir Probleme durchzukommen“, sagt Matthias Büchling, ehemaliger Wehrführer in Ehlen. In 22 Jahren an der Spitze der Ehlener Feuerwehr hat er viele kritische Situationen erlebt: „Es war schon so schlimm, dass ein Feuerwehrmann vorlaufen musste, um die Autofahrer anzuweisen Platz zu machen.“

Ein anderes Mal hätten die Retter ihre Geräte mehr als einen Kilomter zum Unfallort tragen müssen, da der Weg versperrt war. Probleme, die auch der Breunaer Gemeindebrandinspektor Marc Döring kennt: „Wenn das erste Fahrzeug durch ist, machen die Autofahrer meist gleich wieder dicht, sodass die nachfolgenden Einsatzfahrzeuge auch Probleme bekommen.“

Er habe daher auch schon die Leitplanke öffnen lassen, um die Gegenfahrbahn nutzen zu können. „Das geht aber nicht immer“, sagt Döring. Wird es für die Einsatzfahrzeuge eng, kann es auch zu Folgeunfällen kommen. Erst kürzlich hatte ein Fahrzeug der Feuerwehr Ehlen den Außenspiegel eines Autos abgefahren.

„Ich habe das Gefühl, dass es in den letzten Jahren schlimmer geworden ist“, sagt Büchling. Schuld daran seien der zunehmende Lkw-Verkehr und mangelndes Problembewusstsein bei den Autofahrern. „Eigentlich müsste jeder bei einem Stau eine Rettungsgasse bilden“, sagt Büchling. Viele wüssten aber gar nicht mehr, wie das richtig ginge.

„Es wäre gut, die Autofahrer daran zu erinnern, was sie in der Fahrschule gelernt haben“, findet auch Döring. Es gebe Initiativen dafür, die aber scheinbar keinen Effekt hätten. „Bei vielen Leuten kommt das wohl nicht an.“

Interview: Hauptkommissar Torsten Werner erläutert das richtige Verhalten im Stau

Feuerwehr und Rettungsdienst werden bei ihren Einsätzen regelmäßig behindert, weil Autofahrer keine Rettungsgasse bilden. Torsten Werner vom Polizeipräsidium Nordhessen erläutert im Interview, wie man sich bei einem Stau richtig verhält und welche Folgen das Nichtbeachten der Vorschriften haben kann.

Wann sollten Autofahrer eine Rettungsgasse bilden und worauf ist dabei zu achten?

Torsten Werner: Das Thema Rettungsgasse wird in der Straßenverkehrsordnung geregelt. Dort heißt es: Wenn der Verkehr auf Autobahnen und auf Straßen außerorts mit mindestens zwei Fahrstreifen stockt, müssen Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen in der Mitte eine freie Gasse bilden. Bei drei- oder mehrspurigen Fahrbahnen ist die Gasse zwischen dem linken und dem rechts daneben gelegenen Fahrstreifen zu bilden.

Reicht es nicht aus, zur Seite zu fahren, wenn man Blaulicht hinter sich sieht?

Werner: Wir stellen häufig fest, dass eine Gasse erst dann gebildet wird, wenn ein Einsatzfahrzeug sich mit Blaulicht und Martinshorn den Weg bahnt. Das kostet wertvolle Zeit, wenn es um die Rettung von Menschenleben oder die Beseitigung von Gefahren geht. Auch die Dauer der Verkehrsbehinderung verzögert sich. Wer keine Rettungsgasse bildet, steht länger im Stau.

Warum nutzen Rettungsfahrzeuge nicht einfach den Standstreifen?

Werner: Der Standstreifen ist keine gute Alternative, weil er nicht immer durchgängig befahrbar ist. Auch können dort liegengebliebene Fahrzeuge stehen, die beispielsweise im Stau überhitzen. Dazu kommt die gesetzliche Pflicht, die Rettungsgasse zwischen den Fahrstreifen zu bilden.

Drohen Strafen, wenn man keine Rettungsgasse bildet?

Werner: Ein Verstoß gegen die Pflicht Rettungsgassen zu bilden, wird mit einem Verwarngeld in Höhe von 20 Euro geahndet.

Ist es mir als Autofahrer erlaubt, Verkehrszeichen wie rote Ampeln zu überfahren, um den Weg für Rettungsfahrzeuge frei zu machen?

Werner: Das Überfahren von roten Ampeln kann gerechtfertigt sein. Grundsätzlich gilt die Spezialverfügung, Fahrzeugen mit Blaulicht und Martinshorn freie Bahn zu schaffen, vor der Allgemeinverfügung, rote Ampeln und andere Vorschriften zu beachten. Das Überfahren von Verkehrszeichen darf aber nur dem Platzmachen und nicht dem eigenen schnelleren Fortkommen dienen. Auch dürfen andere Verkehrsteilnehmer durch die Missachtung nicht gefährdet werden.

Quelle: HNA

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