Feuerwehrgroßeinsatz in der Nacht

Brand in Fritzlarer Hospital: Möglicherweise war es fahrlässige Brandstiftung

Fritzlar. Alarm für die Feuerwehren aus Fritzlar: Die Brandmeldeanlage des Krankenhauses hat in der Nacht auf Samstag angeschlagen. In einem Zimmer war ein Feuer ausgebrochen.

Aktualisiert am 17. Juli um 16.38 Uhr.

Was genau den Brand im Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist in der Nacht von Freitag zu Samstag verursacht hat, ist noch nicht bekannt. Nach Polizeiaussage sind die Ermittlungen zur Brandursache im Krankenhaus inzwischen zwar abgeschlossen, die beiden Brandermittler der Kriminalpolizei waren am Samstag vor Ort. Doch sie haben keine Hinweise auf eine technische Ursache für das Feuer gefunden. Ebenfalls haben sich keine Hinweise auf eine vorsätzliche Brandstiftung ergeben. 

Nach derzeitigem Wissensstand geht die Polizei daher von einer möglichen fahrlässigen Brandstiftung aus. Es wird weiter ermittelt. Wie es im Krankenhaus weitergeht und welche Anstrengungen unternommen werden, um den Betrieb ab Freitag wieder in vollem Umfang zu gewährleisten, ist am Dienstagvormittag Thema einer Pressekonferenz im Hospital.

Einige Patienten mussten in umliegende Krankenhäuser verlegt werden, wie etwa in das Asklepios Klinikum. Freie Betten gab es genügend. Laut Uli Klein, Pressesprecher der Klinik, wurden 13 Personen eingeliefert, drei davon sind schon wieder entlassen. 

Die leitende Oberärztin Yana Cherkasskaya hatte in der Nacht von Freitag auf Samstag Dienst, betreute mit Kollegen und Krankenpfleger die ankommenden Patienten. „Es ist alles reibungslos abgelaufen. Wir standen in ständigem Kontakt mit der Leitstelle“, sagte Cherkasskaya. Notärzte verschafften sich in Fritzlar einen Überblick über die körperlichen Einschränkungen der Patienten. „So wussten wir, was auf uns zu kommt. Die schweren Fälle wurden zuerst eingeliefert“, sagte die Oberärztin. 

Einige Patienten wurden zur Sicherheit noch untersucht. Unterstützung bekam das Melsunger Personal am Wochenende noch von Kollegen aus dem Fritzlarer Hospital.

Ursprüngliche Meldung

Als die ersten Einsatzkräfte am Hospital in Fritzlar eintrafen, mussten sie schnell feststellen, dass es kein Fehlalarm war, im Gebäude waren Flammen zu sehen.

Während nach und nach die Einsatzkräfte am Hospital eintrafen, hatten die Patienten, die gehen können, das Gebäude bereits verlassen. Einige Patienten hatten ihre Angehörigen angerufen und sich abholen lassen. Dadurch war nicht sofort feststellbar, ob sich noch Patienten im Gebäude befinden. Da Teile des Hospitals stark verraucht waren, mussten Patienten aus den Stationen evakuiert werden. Darunter auch der Kreißsaal und die Geburtenstation.

Der Brand ist vermutlich in einem Patientenzimmer ausgebrochen und hat in zwei weiteren Zimmern und dem Flur großen Schaden verursacht. Den Schaden schätzt die Polizei auf etwa eine Million Euro. Vor allem die Reinigungsarbeiten werden sich offenbar sehr aufwendig gestalten.

100 Menschen aus dem Gebäude gerettet

Wie in der Nacht an der Einsatzstelle zu erfahren war, retteten die Feuerwehrleute 100 Patienten aus dem Gebäude, davon zwölf mit Hilfe von Leitern und der Drehleiter von Dächern und den oberen Stockwerken. Notdürftig mit Decken umhüllt warteten die Leute auf ihre Rettung. Unterdessen bekämpften Angriffstrupps das Feuer von innen und außen. Insgesamt waren 25 Atemschutzgeräteträger im Einsatz, wie der Einsatzleiter - Stadtbrandinspektor Hartmut Hucke - sagte.

Ein Teil der liegenden Patienten wurde vom Krankenhauspersonal im Bereich der Liegendanfahrt versorgt. Weitere Patienten wurden zum Parkplatz vor der Turmschänke gebracht, in Rettungswagen, die aus dem Schwalm-Eder-Kreis angefordert wurden, versorgt und später in die Fritzlarer Stadthalle gebracht. Hier wurden von der Landesverstärkung Hessen Feldbetten aufgestellt. Dazu wurde ein Sammelplatz für Rettungsfahrzeuge am Parkplatz unterhalb der Stadthalle Am Hospital eingerichtet. Einige Patienten wurden in umliegende Krankenhäuser verlegt. Zum Zeitpunkt des Brandausbruchs war das Hospital mit 133 Patienten belegt.

Nach Angaben der Polizei wurden einige Patienten durch das Einatmen von Rauchgas leicht verletzt. Zur Brandursache gibt es momentan noch keine Angaben. Um 1.05 Uhr meldete die Feuerwehr, dass der Brand gelöscht wurde.

Im Einsatz waren die Feuerwehren aus Fritzlar, Geismar, Cappel, Ungedanken, Werkel und Züschen, dazu der Einsatzleitwagen 2 aus Homberg sowie Fahrzeuge der Feuerwehren aus Wabern, Borken und Bad Zwesten. Die Polizei hat noch während der Löscharbeiten und der Evakuierung die Ermittlungen aufgenommen.

Brand im Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar

Entwicklungen am Samstag

Ermittlungen zur Brandursache dauern an

Wie die Polizei am Samstagmittag mitteilt, ist das Feuer den ersten Ermittlungen zufolge gegen 0.15 Uhr in einem Patientenzimmer in einer Station im 1. Stock ausgebrochen und hat sich auf die beiden angrenzenden Zimmer ausgebreitet. Die Intensivstation war nicht betroffen. Hier konnten die Patienten ohne Probleme weiter versorgt werden.

120 Feuerwehrleute und 188 Rettungsdienst-Mitarbeiter im Einsatz

Am Morgen nach dem Brand im Hospital zum Heiligen Geist gab es eine Pressekonferenz mit Barbara Gawliczek, Dr. med. Carsten Bismark und Dr. Sven Ricks vom Hospital zum Heiligen Geist, dem Kuratoriumsvorsitzenden Karl-Otto Winter, Feuerwehr-Einsatzleiter Hartmut Hucke, Bürgermeister Hartmut Spogat und Polizei-Pressesprecher Volker Schulz im Lagezentrum auf dem Pferdemarktplatz.

Zunächst gab SBI Hucke einen Überblick über den Einsatz im Hospital und erläuterte und begründete das Vorgehen der Feuerwehrleute. Dabei bescheinigte er den Krankenhausmitarbeitern und dem Sanitätsdienst eine sehr gute, disziplinierte Arbeit und einen sensiblen Umgang mit den Patienten. Auch der Transport der Patienten mit Mannschaftstransportfahrzeugen der Feuerwehr in andere Kliniken haben reibungslos geklappt. Dazu habe auch die Unterstützung der Landesverstärkung mit Decken und Liegen zum guten Gelingen beigetragen. Für die Patienten, die im Bereich der Liegendanfahrt erstversorgt wurden, wurde die alte Cafeteria als Notlösung eingerichtet.

Insgesamt, so Hucke, waren 120 Feuerwehrleute und 188 Männer und Frauen vom Rettungsdienst im Einsatz, dazu noch viele ehrenamtliche Helfer, die vom Pferdemarkt kamen und spontan beim Transport der Patienten in die Notunterkünfte halfen.

Bürgermeister Hartmut Spogat dankte allen Einsatzkräften und allen Helfern für ihren selbstlosen Einsatz, die durch ihr rasches Eingreifen Schlimmeres verhindert haben.

So geht es weiter

Wie Dr. Carsten Bismarck sagte, muss die Station B1 grundsaniert werden. Der Notfallbetrieb würde weiterlaufen, sagte Dr. Bismarck, ambulante Operationen würden weitergemacht, nur die Operationen mit anschließender stationären Behandlung fallen weg. Auch der notärztliche Bereitschaftsdienst läuft wie gewohnt weiter und auch das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) behandelt wie gewohnt weiter. Dagegen muss die Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe pausieren. Die Sanierung des Hospitals läuft auf vollen Touren und der Vollbetrieb des Krankenhauses kann laut Krankenhausleitung bereits am 21. Juli wieder aufgenommen werden.

Patienten aus dem Hospital wurden in Kliniken nach Kassel, Bad Wildungen, Melsungen und Ziegenhain verlegt. Dazu wurde auch Krankenhauspersonal zur Unterstützung mit in die Kliniken abgestellt.

Wie Dr. Bismarck weiter sagte, werde sich das Hospital allen Patienten in Verbindung setzen, die bereits Behandlungstermine haben, die jetzt wegen des Brandes verschoben werden müssen.

Angehörige und Patienten können unter der Telefonnummer 05622-997-0 Informationen einholen.

Nach dem Brand in Fritzlarer Krankenhaus: Schaden in Millionenhöhe

Hier hat es gebrannt:

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion