Mit Vorderlader-Schwarzpulverwaffen

Neujahrsschießen der Sander Sportschützen

Blitz und Pulverdampf: Die beim Schuss mit einer Schwarzpulverwaffe aus dem Lauf austretende Feuerzunge, hier bei Heinz Bohn, nennt man einen Fuchs. Fotos: zih

Bad Emstal. Das Tragen von Gehörschutz auf beiden Ohren war beim traditionellen Neujahrsschießen der Sander Sportschützen ein absolutes Muss. Und zwar für Schützen und Zuschauer, die sich im Schützenhaus „Auf den Birken“ versammelt hatten.

Zudem durften sie keine allzu empfindliche Nase haben. Denn bei jedem abgegebenen Schuss krachte es nicht nur ganz gewaltig, sondern es durchzog auch eine stark riechende Pulverwolke den Schießstand. Geschossen wurde beim Sander Neujahrsschießen mit nostalgischen Vorderlader-Schwarzpulverwaffen. Wobei es sich bei den Gewehren und Pistolen überwiegend um Replikate originaler Waffen handelte, mit denen unsere Vorfahren Mitte des 19. Jahrhunderts ihr Land verteidigt hatten.

Das Neujahrsschießen lief unter waffenrechtlicher Aufsicht ab. Schützen, die nicht im Besitz eines für Schwarzpulverschießen vorgeschriebenen Sprengscheins waren, durften mit einer solchen Waffe nur schießen, wenn ihnen ein Sprenstoffscheininhaber zur Seite steht. Der Experte machte die Waffe schussfertig, er lud sie also und kümmerte sich um die Munition.

Persönliches Heiligtum

Neben der nostalgischen Waffe ist der Werkzeugkoffer für jeden Inhaber eines Sprengscheins eine Art persönliches Heiligtum. Darin bewahrt er die notwendigen Utensilien für die Schwarzpulverwaffen auf: zum Beispiel Lade- und Putzstock, Schwarzpulver, Zündhütchen, die Mischung für das Rundkugel-Geschossblei, Geschosspflaster und Geschossfett. Hat er damit seine Waffe schussfertig gemacht und den Schuss abgegeben – in Sand wird auf historische Motivscheiben angelegt – ist für einen kurzen Moment der Fuchs zu sehen. So nennt man die den Lauf verlassende Feuerzunge, die sich auch beim Zündverschluss bilden kann.

Den Grundstein für das Schwarzpulverschießen im Sander Sportschützenverein, der auf nationaler Ebene über eine sehr aktive und erfolgreiche Wettkampfgruppe verfügt, hatte in den 80er Jahren der heutige Vorsitzende Erich Mey gelegt. Damals war er Besitzer eines Hinterladerzündnadeldienstgewehrs aus dem 19. Jahrhundert geworden. Die Waffe ist noch heute sein ganzer Stolz.

Ausgeschossen wurde beim Neujahrsschießen für Mitglieder und geladene Gäste, 55 Teilnehmer gingen an der Start, jeweils ein Wettbewerb mit Vorderladergewehren sowie -pistolen auf 25 Meter entfernte Ziele. Für Teilnehmer, die mit beiden Waffenarten schossen, gab es eine Kombinationswertung (siehe Hintergrund). Wobei die besten 15 Kombi-Schützen durch die Ziehung einer Losnummer attraktive Sachpreise gewannen. (zih)

Quelle: HNA

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