Gebärdensprache an der Hermann-Schafft-Schule ein Versuch

Mit Fingern reden

Hallo und es geht mir gut: Marie und Sabrina Oeste mit Benjamin Orlitz (vorne) lernen bei Franziska Hendrich (links) und Jessica Jaksa etwas Gebärdensprache. Foto: Thiery

Homberg. Franziska Hendrich schüttelt ihre Hände und winkt uns freundlich zu. Was viele Menschen tun, hat für die Schülerin der Herrmann-Schafft-Schule noch eine ganz andere Bedeutung. In der Gebärdensprache ist es das Zeichen für „Hallo“.

Viele ihrer Mitschüler verständigen sich über diese Zeichen miteinander, weil sie Probleme mit dem Hören und Sprechen haben. Beim Schulfest gab Franziska gemeinsam mit ihrer Freundin und Mitschülerin Jessica Jaksa einen Einblick in die Gebärdensprache und brachte auch mir einige Zeichen bei.

Zeige- und Mittelfinger

Für die meisten Begriffe gibt es Handzeichen. Beim „Wie geht es dir?“ hält sie Zeige- und Mittelfinger zusammen und streicht damit über die Innenfläche der anderen Hand. Wenn sie die Gebärden macht, formt sie gleichzeitig mit den Lippen für das Wort dazu, Mimik und Haltung spielen auch eine Rolle.

Und das sind nur die deutschen Zeichen, lernt die Gruppe, die sich neugierig versammelt hat. Die Gebärdensprache ist nicht international, es gibt Unterschiede in den Ländern, wie das bei jeder Sprache der Fall ist. Kultur prägt auch die Handzeichen. „Es gibt sogar Dialekte“, erläutert Franziska. Das Zeichen für unsere Bundeskanzlerin wird mit der Handkante am Kinn gebärdet und soll ihre Frisur zeigen. In Norddeutschland klopft man sich an den Kopf, was auf das Merken hinweisen soll.

Alle bekommen beim Tag der Offenen Tür Kopfhörer, damit sie sich in die Situation der Nicht-Hörenden versetzen können. Dann geht der kleine Kurs weiter. „Wenn es mir gut geht, kann ich mit Daumen und Zeigefinger ein O bilden und dabei lachen“, erläutert Franziska und macht es vor.

Geht es mir schlecht, darf ich mit der Hand abwinken und den Kopf schütteln. Vieles kommt mir bekannt vor und ähnelt der Gestik bei den Hörenden. Dann ist der kurze Exkurs vorbei und wir lernen das Fingeralphabet. Da wird es schon komplizierter: Bei A, B, C, verbiege ich mir alle Finger. Wenn ich mir vorstelle, so ganze Sätze bilden zu sollen, wird mir ganz schummerig. Das Fingeralphabet benutzt man hauptsächlich für Namen.

„Damit kann man aber alles ausdrücken“, erklärt mir später Schuldirektor Dietmar Schleicher. Man kann sogar wissenschaftliche Vorlesungen so abhalten und vor allem Fachausdrücke abbilden, für die es keine Gebärde gibt. Im normalen Sprachumgang sei das Fingeralphabet nur ein Hilfsmittel.

In der Herrmann-Schafft Schule wird die Gebärdensprache seit diesem Schuljahr ab der Grundstufe angeboten. Alle sollten sie erlernen, sagte Schleicher. Bislang sei das nicht Bestandteil des Unterrichts gewesen, weil es Streit in der Pädagogik gab, ob es die Schüler daran hindere, ihr Hör- und Sprachvermögen weiterzuentwickeln.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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