Plastikkörner aus dem Kloster

Chemiestandort in Spieskappel blickt auf 150-jährige Werksgeschichte zurück

Im Gebäude rechts befinden sich zwei der insgesamt sieben Produktionslinien, im Gebäude hinten Sozialräume der Mitarbeiter.

Spieskappel. In einer in der Region einmaligen Symbiose treffen auf dem ehemaligen Klostergelände in Spieskappel Industrie- und Kirchengeschichte aufeinander. Bereits im Mittelalter mahlten dort die Mönche Farbpulver.

 Noch heute grenzt das Betriebsgelände auf der ehemaligen Klosteranlage der jetzigen Hexion GmbH an die Klosterkirche und den für Pilger bekannten Elisabeth-Pfad.

Unvergessen ist die Herstellung von Substanzen für Bakelite, dem ersten vollsynthetischen Kunststoff. Vermutlich viele erinnern sich noch an die Telefone und Drehlichtschalter aus diesem Kunststoff. Und auch heute haben noch viele hochwertige Kunststoffteile beispielsweise an Schnellkochtöpfchen, Herdgriffen oder im Auto ihren Ursprung in Spieskappel. Hexion stellt Granulate her, die die Basis für deren Herstellung bilden. Jährlich rollen 6000 Tonnen Rohstoffe ins Werkgelände hinein und als Granulate wieder hinaus, sagt Werksleiter Thomas Gross. Circa 40 Prozent der Herstellung fließt in die Automobilindustrie.

60 Mitarbeiter arbeiten im Dreischichtbetrieb. Im Unternehmen finden sich Berufsbilder wie Industrie- und Verfahrensmechaniker und Chemikanten, erklärt Produktionsleiter Michael Hinz. Die Herstellung der farbigen Granulate findet in sieben Produktionslinien statt. Die muss man sich wie eine Art Thermomix oder beheizbare Küchenmaschine vorstellen, die über drei Stockwerke reicht. In der obersten Etage wird die Anlage mit den Rohstoffen befüllt, in der mittleren über dampfbeheizte Walzen zur plattenförmigen, teigartigen Pressmasse und in der untersten zu Kunststoffkörnern verarbeitet.

Bergmannstradition

45 000 Quadratmeter groß ist das Firmengelände. Es gibt ein eigenes Heizkraftwerk, Verwaltungs- und Produktionsgebäude und Lagerhallen. Ein Gebäude erinnert an die alte Bergmannstradition. Es dient quasi als Schleuse: In die eine Etage gehen die Mitarbeiter in Arbeitskleidung, die andere verlassen sie in der Alltagskleidung – und umgekehrt.

1948 wurde mit der Erzeugung der sogenannten „duroplastischen Kunststoffe“ begonnen. Duroplaste sind Kunststoffe, die nach ihrer Aushärtung durch Erwärmung oder andere Maßnahmen nicht mehr verformt werden können. Damals firmierte das Unternehmen unter dem Namen Farbwerke Urban. Der Name wurde auch beibehalten, während das Werk von 1968 bis 1976 zu den Farbwerken Höchst gehörte, heißt es in der Firmenchronik. 1976 wurde das Unternehmen mit dem Kauf der Rütgers Werke in Bakelite umbenannt. Vor 13 Jahren übernahm der amerikanische Finanzinvestor Apollo das Werk und es gehört zur Hexion GmbH. Für kurze Zeit wurde es in Momentive umbenannt.

Die Werkschronik gibt einen Umsatz von circa 17 Millionen Euro pro Jahr an.

Quelle: HNA

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