Traditionsbetrieb im Schwalm-Eder-Kreis

Insolvenz: Firma Stähling aus Riebelsdorf kämpft ums Überleben

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In Schieflage: Das Riebelsdorfer Unternehmen Stähling befindet sich im vorläufigen Insolvenzverfahren. 21 Arbeitsplätze sind bedroht.

Riebelsdorf. Die Gerüchte bestätigen sich, die Firma Stähling Möbel und Systemteile in Riebelsdorf befindet sich in Schieflage. Der Traditionsbetrieb ist seit Januar in der vorläufigen Insolvenz. „Falls bis Ende des Monats kein Investor gefunden wird, muss der Betrieb schließen", sagte der Geschäftsführer Gerd Stähling.

Soweit möchte er es nicht kommen lassen und bemüht sich gemeinsam mit dem Insolvenzanwalt Carsten Koch aus Kassel um einen geeigneten Käufer. Gespräche werden zurzeit geführt, beteuern beide. Ob es aber zu einer Übernahme kommen wird, steht nicht fest.

Der Betrieb sei schon in den vergangen Jahren in Bedrängnis geraten, sagte Gerd Stähling, der die Geschäfte der GmbH zusammen mit seinem Vater Sebastian Stähling führt. Die Konkurrenz auf dem Büromöbelmarkt sei stetig gewachsen, sagt er. Nach der Wende habe es einen Boom gegeben, die Firma habe gut dagestanden, sie hatte zum damaligen Zeitpunkt 50 Mitarbeiter. Doch die sinkende Nachfrage, nachdem der Markt gesättigt war, und die zunehmende Verlagerung der Produktion ins billige Ausland habe die Preise auf diesem Markt kaputt gemacht, so der 48-Jährige.

Das zweite Standbein der Firma sei die Furnierung mit Echtholz. Auch dort sei die Konkurrenz durch billige Auslandsproduktion gewachsen. Die Kunden hätten die Preise in den vergangenen Jahren daher stetig gedrückt. Dazu habe Kunststoff das Echtholz verdrängt. Umsatteln hätte der Betrieb nicht können, die Investition sei zu teuer gewesen. Der sinkende Auftragseingang habe sich über Jahre abgezeichnet, es sei mal besser und mal schlechter gelaufen, sagt Stähling.

Trotz aller Bemühungen in der Akquise habe sich der Erfolg nicht eingestellt. Es habe auch immer wieder Kurzarbeit gegeben. Personal wurde daher abgebaut, ohne betriebsbedingte Kündigungen, wie Stähling betonte. Im Moment beschäftigt der Betrieb noch 21 Menschen. 2013 sei noch ein relativ gutes Jahr gewesen, gegen Ende seien drei Kunden weggebrochen, weshalb die Firma Anfang des Jahres herbe Verluste habe hinnehmen müssen. Als dann 2014 wieder mehr Aufträge kamen, habe das Geld für den Materialeinkauf gefehlt, zusätzliche Verzögerungen bei den Baustellen hätten das Fass zum Überlaufen gebracht.

„Wir haben als Familie das Unternehmen mit viel eigenem Kapital gestützt“, erzählt er. Aber dann sei es nicht mehr gegangen. „Die Möbelindustrie wird wie die Textilindustrie aus Deutschland verschwinden“, glaubt er. Seine Schwester Ute Stähling pflichtet ihm bei. „Ein bisschen fällt auch der jahrelange Kampf und der ganze Druck nun ab“, sagt sie. Stähling sagt, dass er todtraurig über die Entwicklung sei. Seinen Gläubigern hat er eine E-Mail geschrieben und sich entschuldigt, dass er die Forderungen nicht begleichen kann.

Von Christine Thiery 

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Quelle: HNA

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