Unternehmen sollen Anzeigen schalten 

Vorsicht vor dubiosen Angeboten per E-Mail in Melsungen

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Keine Veröffentlichung der Stadt: Citymanager Mario Okrafka zeigt den lieblosen DIN-A4-Ausdruck (rechts), den eine Melsungerin erhalten hat. In der anderen Hand hält er eine Broschüre der Stadt, aus der die Anzeige, die als angebliche Vorlage dienen sollte, herauskopiert war.  

Melsungen. Achtung vor dubiosen Angeboten: Unternehmen aus der Region erhalten derzeit Aufforderungen, eine Anzeige zu schalten. Dahinter stecken Betrüger.

Aktualisiert um 10.02 Uhr - Wera Medienservice nennt sich das Unternehmen mit Sitz in Rumänien und sucht Interessenten für eine Veröffentlichung in einer „Bürger-Info-Serie“. Angeboten wird eine Veröffentlichung in einem vierseitigen A4-Folder. Die Kosten für eine einmalige Veröffentlichung würden sich auf fast 800 Euro belaufen. Mit einer Unterschrift würde man sechs solcher Anzeigen bestellen. Es entstünden also Kosten von 4800 Euro.

Mario Okrafka, Citymanager der Stadt Melsungen, weist darauf hin, dass es sich bei diesem Angebot keinesfalls um eine städtische Broschüre handelt. Aufmerksam gemacht hat ihn Ina-Karla Reuß auf dieses laut Okrafka dubiose Angebot. Ganz klein und oben links in der Ecke des Dokuments findet sich der Hinweis „Behördenunabhängig – ohne öffentlichen Auftrag“. Das wirke doch sehr unseriös, sagt Okrafka.

Werbeaufforderungen der Polizei bekannt

Der Polizei sind solche Werbeaufforderungen bekannt – sie werden Kölner Masche genannt. Diese Aufforderungen bewegen sich laut Volker Schulz, Sprecher der Polizeidirektion Schwalm-Eder, in einer Art Grauzone. Denn um einen Leistungsbetrug handele es sich meist nicht. Der Anbieter liefere das angekündigte Printprodukt.

In der Beschreibung des Angebots des Wera Medienservices finden sich tatsächlich keinerlei Hinweise zur Qualität des Produkts. Die Veröffentlichungen sind objektiv von minderer Qualität. Der Redaktion liegt beispielsweise die Veröffentlichung einer mutmaßlichen Vorgängerfirma vor. Dabei handelt es sich um ein lieblos gestaltetes Heftchen voll mit Anzeigen und so gut wie keiner redaktionellen Leistung. Mal angenommen, ein Kunde schließt das beworbene Angebot ab und das Unternehmen hält sich an die vertraglichen Angaben, wäre es insoweit kein Betrug. Volker Schulz sagt dazu: „Wenn keine Angaben zur Qualität gemacht werden, sollten die Angeschriebenen stutzig werden und zum Beispiel nachfragen und ein Probeexemplar anfordern.“ Die Vertragsinhalte sollten in Ruhe geprüft werden. Bei seriösen Angeboten könne man sich das mögliche Endprodukt ansehen. Die Polizei habe bei solchen Angeboten keine Handhabe. „Wer sich unsicher ist, sollte lieber die Finger davon lassen.

Ina-Karla Reuß hat das Angebot nicht angenommen. Der Mail lag allerdings eine von ihr gestaltete Anzeige bei, die so bereits schon mal veröffentlicht wurde. Das habe sie kurz stutzig werden lassen. Nach einer Recherche über das Unternehmen sei aber klar gewesen, dass sie das Angebot nicht annehmen werde. 

Betrug nennt sich Kölner Masche

Das Erschleichen von Anzeigenaufträgen wird Kölner Masche genannt. Mit Tricks wird dabei versucht, Firmen, Selbstständige und Freiberufler zum Abschluss einer überteuerten Anzeige zu bewegen. Meist geht es los mit einem kurzen Anruf, dass beispielsweise für die nächste Veröffentlichung noch eine Unterschrift benötigt werde, das Fax sei schon unterwegs. Unterschreiben und zurück damit, heißt es da schon mal von einer gut gelaunten Dame am Telefon. Betroffen sind fast immer kleinere Betriebe, die bereits Anzeigen – zum Beispiel in kommunalen Blättchen – veröffentlicht haben. Auf diese wird dann Bezug genommen. Häufig dient genau diese Anzeige auch als Vorlage für den Versuch, einen Anzeigenauftrag zu erschleichen. Sollten die Betroffenen nicht reagieren oder ablehnen, könne sich der Ton auch verschärfen, berichtet eine Anwaltskanzlei, die Geschädigte vertritt. Bei der Zahl der Betroffenen wird eine hohe Dunkelziffer vermutet, da sich viele Geschäftsleute nicht outen wollen. Zuerst traten die Versuche vor einigen Jahren in Köln auf, daher der Name. 


  • Kontakt: Wer auch Schreiben erhalten hat oder Opfer geworden ist, kann sich melden unter ddd@hna.de

Quelle: HNA

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