Letzter Verkaufstag am 25. Februar

Fleischerei Töpfer in Caßdorf schließt nach 60 Jahren 

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Haben viel Verständnis von ihren Mitarbeitern und ihren Kunden bekommen: Vanessa und Rafael Töpfer schließen das Ladengeschäft der Fleischerei Töpfer.  

Homberg. Nach 60 Jahren ist nun Schluss: Die Landfleischerei Töpfer in Homberg-Caßdorf schließt ihr Ladengeschäft.

Über 60 Jahre lang war die Fleischerei Töpfer in Caßdorf die Anlaufstelle Nummer 1 in dem Homberger Ortsteil und versorgte auch die große Laufkundschaft mit Fleisch- und Wurst. Doch jetzt hängt ein großes „Geschlossen“-Schild am Geschäft. Man habe nach langer Überlegung den Entschluss gefasst, einen Neuanfang zu wagen, sagt Inhaber Rafael Töpfer. Das Ladengeschäft wird geschlossen, aber weitere Dienstleistungen wie Hausschlachtungen und Partyservice wolle man weiterhin anbieten. Trotzdem fielen vor allem die Stammkunden aus dem Ort aus allen Wolken.

Grund für den Schlussstrich ist der sinkende Verkaufsumsatz der letzten Jahre – und dieser werde voraussichtlich demnächst ganz einbrechen, sagt Vanessa Töpfer, Ehefrau des Geschäftsinhabers. Denn die Ohebachbrücke in der Ortsmitte soll saniert und dafür etwa ein halbes Jahr gesperrt werden – so auch die Ortsdurchfahrt K 45.

Bereits Erkundungsbohrungen an der Brücke im vergangenen Herbst hielten etwa zwei Wochen lang einen Großteil der Kunden fern. „Die Laufkundschaft war weg und selbst unsere Stammkunden aus der Region schreckten die Umwege über die Umleitungen ab. Viele kauften also lieber wo anders ein“, klagt Vanessa Töpfer.

Die studierte Betriebswirtin erkannte schnell: Die Konkurrenz durch Supermärkte und den Internetverkauf sowie die Sanierungsarbeiten in Caßdorf würde die Fleischerei vor erhebliche Probleme stellen. „Wir hatten ursprünglich geplant, bei Remsfeld ein Geschäft zu eröffnen, das uns mehr Spielraum bringt“, sagt Töpfer. „Hier in Caßdorf sind wir begrenzt durch die Örtlichkeit.“

Der Laden befindet sich im Wohnhaus der Familie, Platz zum Wachsen, wie eigentlich für den Betrieb vorgesehen war, gebe es nicht. Als sie ihr Haus und das Geschäft zum Verkauf anboten, reagierten die Kunden sogleich: Viele schauten sich laut Töpfer nach einem neuen Fleischer um.

„Mein Großvater kam in den 50er Jahren aus Mühlheim und eröffnete hier in Caßdorf die Fleischerei. Seitdem drehte sich im Leben meiner Familie alles rund um das Geschäft“, sagt Rafael Töpfer. Der 38-jährige Familienvater kümmerte sich mit seiner Frau und acht Mitarbeitern um den Betrieb, führte Hausschlachtungen durch, stellte Fleisch- und Wurstwaren her und verkaufte sie in dem Laden an der Homberger Straße.

Für ein Leben neben der Arbeit fehlte bislang die Zeit. „Wir schließen mit einem weinenden und einem lachenden Auge“, sagt Töpfer. Jetzt könne er mit seiner Familie einen Neuanfang wagen, auf den er sich freue. Seinem Beruf will er treu blieben: Ab März wird er bei einer Fleischerei in Mosheim arbeiten. (mle)

Quelle: HNA

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