Flying Pickets singen vor kleinem Publikum

Fliegende Jungs verzaubern das Zelt

Magische A-Capella-Töne: die Flying Pickets auf der Kulturzeltbühne in Wolfhagen. Foto: Hoffmann

Wolfhagen. Reduziert, unangepasst, individuell. Fünf Stimmen, sonst nichts. Keine Instrumente, kein technischer Firlefanz. Und doch entfacht die ungewohnte Darbietung internationaler Charthits eine unbeschreibliche Magie beim Zuhörer. Zum Haareraufen hingegen ist, dass die legendären Flying Pickets am Samstagabend in ungewohnt intimem Kreis auftreten mussten. Nur rund 240 Besucher fanden den Weg ins Kulturzelt. Eins gleich vorweg: Wer nicht da war, ist selber schuld.

Jung und frisch

Vor rund 30 Jahren mit dem Welthit „Only you“ bekannt und zum Inbegriff des A-Capella-Gesangs geworden, kommt die britische Formation ungeheuer jung und frisch daher. Von der Originalbesetzung ist nur der Name geblieben, was kaum stört, denn der Zauber, der ist noch immer da. Die Stimmakrobaten gehen dennoch auf Nummer Sicher, heben ihren Klassiker für die Zugaben auf. Das hätten sie sich getrost sparen können, denn der einzig durch die Stimmkraft der Sänger aufgebaute Spannungsbogen wäre auch gut ohne den Schmachtfetzen ausgekommen.

Sie wirbeln über die Bühne, erklären die schüchternen Zuhörer zu ihren besonderen Freunden, animieren sie zum Mitklatschen und verwandeln das Kulturzelt in eine vor Energie fast platzende Jukebox, die Hit auf Hit liefert.

Andy Laycock avanciert mit seiner drahtig-kecken Art zum Pickets-Clown, allzu prädestiniert für Robbie Williams’ „Let me entertain you“. Die gewisse Boygroup-Note allerdings liefert Damion Scarcella mit einer guten Portion Bubi-Charme, nettem Lächeln und einem Flirtfaktor, der selbst beim gruseligen „Thriller“ von Michael Jackson mancher Dame in den ersten Reihen weiche Knie beschert.

Die hohe Stimme bedarf zunächst der Gewöhnung, fügt sich dann doch schnell ins satte Tonbett ein, das der Italiener Andrea Figallo mit bemerkenswerter Bassstimme untermauert und Michael Henry soulig komplettiert.

Bei derartiger Stimmoffensive fällt es schwer, einen der Sänger herauszustellen, Simon John Foster jedoch lässt keine andere Möglichkeit. Es kommt selten vor, dass eine Coverversion besser ist als das Original. Foster schafft es, und wie! Stings „Roxanne“ interpretiert der beleibte Brite mit einer Atombombe aus Gefühlen, mal sanft, mal rockig-rau, ohne den Police-Sänger imitieren zu wollen. Das ist auch gut so, denn er macht es zu seinem Lied, dem Lied des Abends, das ein „Only you“ einfach nur überflüssig werden lässt.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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