Glaskörpertrübungen werden als bewegte Flecken im Sichtfeld wahrgenommen

Fliegende Mücken im Auge

Schneegestöber im Auge: Kalkablagerungen im Glaskörper sind harmlos, die Störungen treten allerdings meist erst im höheren Alter ein. Foto: privat

Borken. „Was ist da los, da stimmt was mit meinen Augen nicht“ – so und ähnlich äußern sich beunruhigte Patienten, welche die Sprechstunde von Augenarzt Ulf Gottschalk aus Borken aufsuchen. Der Grund: Sie haben eine Glaskörpertrübung im Auge entdeckt.

„Mouches Volantes“, übersetzt „fliegende Mücken“, bezeichnet der Mediziner die kleinen schwarzen Punkte, Flecken und fadenartige Strukturen im Blickfeld, die in einer schwebenden Bewegung wahrgenommen werden. Nach dem Stoppen der Blickbewegung bewegen sie sich ein Stück weiter. Besonders vor hellen Hintergründen fallen sie auf.

Wasser und feine Fasern

Der Glaskörper befindet sich im Inneren des Auges hinter der Linse und dient als eine Art Platzhalter. Er besteht zu 98 Prozent aus Wasser und unter anderem aus feinen, vernetzten Kollagenfasern. In der Jugend ist der Glaskörper gleichmäßig, klar und durchsichtig. Mit zunehmenden Alter bildet er sich zurück, es kommt zur Schrumpfung der Kollagenfasern und so zu Unregelmäßigkeiten in der Struktur, sagte der Augenarzt.

Die natürliche Rückbildung sei individuell unterschiedlich. Kurzsichtige mit einem langen Augapfel seien eher davon betroffen. Die „fliegenden Mücken“ sind also zusammengeballte Kollagenfasern, die auf die Sehschärfe keinen Einfluss haben – eine harmlose Erscheinung, so Gottschalk. Wer dauernd darauf achte, empfände sie als lästig. Tröstlich: Im Lauf der Zeit werden die Erscheinungen immer unschärfer und daher schwächer, weil sich der Glaskörper von der Netzhaut entfernt.

Eine Sonderform der Trübungen sind Kalkablagerungen im Glaskörper. Sie sehen aus wie Schneegestöber in Souvenir-Schüttelgläsern und treten meist erst in höherem Lebensalter auf. Sie können die Sehqualität erheblich beeinträchtigen, sind aber harmlos.

Eine medikamentöse Behandlung gegen die Trübungen gibt es nicht. Den Glaskörper operativ zu entfernen, ist zwar möglich, aber sehr risikoreich.

Doch „nicht alle Glaskörpertrübungen sind harmlos“, warnte der Facharzt eindringlich. Beim natürlichen Umbauprozess des Glaskörpers kann es zum Zug an der Netzhaut kommen. Im ungünstigsten Fall entsteht ein kleiner Riss, der eine Ablösung der Netzhaut nach sich ziehen kann. Deshalb sollten alle Patienten mit Mücken vor den Augen gleichzeitiger Wahrnehmung von Lichtblitzen unbedingt den Augenarzt aufsuchen.

Suche nach dünner Netzhaut

Bei der Untersuchung spiegelt der Augenarzt den Augenhintergrund und sucht die Netzhaut nach dünnen Stellen und Löchern ab. Diese Untersuchung ist nur mit weit getropfter Pupille möglich, deshalb sollte man nicht selbst mit dem Auto zum Augenarzt fahren, sondern sich fahren lassen.

Gottschalk rät allen, die schon seit Jahren von der harmlosen Mückenplage im Auge betroffen sind, nicht soviel daran zu denken: „Manchmal genügt eine kleine Änderung des Blickwinkels um wieder klar zu sehen“.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare