Flieger zum Ausdrucken

Melsunger brachte erstes Flugzeug-Ersatzteil aus 3D-Drucker auf den Markt

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Aus dem 3D-Drucker: Alexander Katzung zeigt ein Flugzeug-Modell. Es besteht aus Kunststoffpulver, das mit einem Laserstrahl verschmolzen wurde.

Melsungen. Ein ganzes Flugzeug aus dem Drucker - das ist noch Zukunftsmusik. Doch immerhin einzelne Teile eines Fliegers kann man bereits ausdrucken. Das erste Flugzeug-Ersatzteil aus dem 3D-Drucker hat der gebürtige Melsunger Alexander Katzung mit seinen Kollegen von Airbus auf den Markt gebracht.

Der 39-Jährige, der in Melsungen Abitur gemacht hat, lebt inzwischen in Hamburg und arbeitet in der Innovationsabteilung von Airbus. „Ich helfe Ingenieuren dabei, ihre Ideen umzusetzen - so, dass man damit auch Geld verdienen kann“, erklärt Katzung.

Eine dieser Ideen war, eine effizientere Methode zum Herstellen von Flugzeug-Ersatzteilen zu finden. Denn bislang mussten diese Ersatzteile zum Beispiel aus einem großen Kunststoffblock herausgefräst werden. „Dabei fallen jede Menge Kunststoffspäne an, die man nur noch wegwerfen kann“, erklärt Katzung. Im 3D-Drucker hingegen wird Kunststoffpulver mithilfe eines Laserstrahls verschmolzen. „Das Pulver, das übrig bleibt, kann man wiederverwenden.“ Die Produktion mit 3D-Druckern sei damit umweltfreundlicher.

Außerdem könne man die Ersatzteile auch verbessern: „Wir schauen uns vieles aus der Natur ab“, erzählt Katzung. Denn dort gibt es keine geraden Linien und rechten Winkel wie bei von Menschen konstruierten Gegenständen. Mit dem 3D-Drucker kann man die fließenden Formen aus der Natur nachahmen - und so zum Beispiel leichtere Flugzeuge bauen, sagt Katzung.

Die verbrauchen weniger Kerosin, sparen damit Kosten und schonen die Umwelt. Zudem könne man die Teile langfristig dort produzieren, wo sie gebraucht werden. „Lange Transportwege fallen damit weg“, sagt Katzung.

Obwohl also die Produktion mit dem 3D-Drucker derzeit noch teurer sei als herkömmliche Methoden - ein solcher Drucker kostet 500.000 Euro - könne man auf Dauer damit Geld sparen, ist Katzung überzeugt. Er glaubt auch nicht, dass die neue Technik Arbeitsplätze gefährdet. „Ersetzt werden Arbeitsgänge, die auch vorher schon Maschinen erledigt haben“, sagt Katzung.

Auch wenn er für seine Arbeit in der ganzen Welt unterwegs ist - zu seiner Heimatstadt Melsungen hat Alexander Katzung immer noch eine enge Verbindung: Gerade war er wieder in der Bartenwetzerstadt zu Gast, um gemeinsam mit seinem Schulfreund Alexander Schröder eine Spende zu übergeben.

Vom Ehering bis zum Organ - Die Möglichkeiten des 3D-Drucks

Für 3D-Druck gibt es viele Anwendungsmöglichkeiten, etwa in der Medizin: So wird derzeit daran geforscht, wie man Haut ausdrucken kann, erzählt Alexander Katzung. Langfristig sei das Ziel, auch innere Organe auszudrucken, die dann transplantiert werden könnten. Denkbar sei zum Beispiel auch, im Schuhgeschäft Schuhe auszudrucken, die perfekt an den Fuß des Käufers passen. Als Material für den Druck kann man derzeit schon Kunststoff, aber auch Metall verwenden: „Bei uns in der Firma hat zum Beispiel jemand seinen goldenen Ehering in 3D ausgedruckt“, sagt Katzung.

Von Judith Féaux de Lacroix 

Quelle: HNA

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