Sabrina Möller aus Gebersdorf hat ihr Hobby zum Beruf gemacht und arbeitet als Stenografin im Landtag

Die flotte Kunst mit den Kürzeln

Stenografin im Landtag: Sabrina Möller aus dem Frielendorfer Ortsteil Gebersdorf stenografiert bei Sitzungen im Landtag Baden-Württemberg. Foto:  Privat

Gebersdorf. „Es ist faszinierend zu sehen, wie Wörter und Sätze immer kürzer geschrieben werden können“, sagt die 27-jährige Sabrina Möller. Die gebürtige Gebersdorferin arbeitet als Stenografin im Landtag von Baden-Württemberg.

Die 27-Jährige hat schon während der Schulzeit das Stenografieren beim Steno- und Maschinenschreibverein Neukirchen erlernt. „Rund ein Jahr braucht es, bis man das Basiswissen beherrscht. Dann geht es darum, schneller zu werden“, erklärte Möller. Sie nahm in ihrer Freizeit an vielen Wettbewerben erfolgreich teil. Die Urkunden sind ihre Referenzen. Sie tritt dabei in der höchsten Klasse an, der Meisterklasse. Im vergangenen Jahr noch hat Möller das Bundesjugendschreiben in ihrer Altersklasse gewonnen – sie schaffte 300 Silben pro Minute. Bei den Wettbewerben lernte Möller auch Landtagsstenografen kennen und entdeckte so den Beruf.

Der Ausbildungsweg

Parallel zum Studium machte sie eine Stenografenausbildung beim Landtag. „Es gibt keine institutionelle Ausbildung. Auf jede Person wird individuell eingegangen“, erklärte Möller. Nach dem Masterabschluss in Political Science war die 27-Jährige zwei Jahre lang Nachwuchsstenografin im Landtag und ist seit Herbst 2014 Vollstenografin. „Diesen Begriff gibt es nur in Baden-Württemberg“, sagte sie.

Als eine von acht Landtagsstenografen muss Möller schnell und viel schreiben können. 240 Silben pro Minute sollte sie mindestens schaffen. Außerdem ist ein Master-Studienabschluss Voraussetzung. Jedem Landtagsstenografen sind zwei Ausschüsse zugeteilt – Möller ist für den Europaausschuss und die Enquetekommission Pflege zuständig. Sie kennt die Namen aller Abgeordneten und muss sich immer auf die speziellen Sitzungsthemen vorbereiten. Die stetige Auseinandersetzung mit aktuellen Themen und live bei den Sitzungen dabei zu sein, schätzt Möller sehr an ihrem Beruf.

In der Zeit, in der keine Sitzungen stattfinden, verfasst Möller die Ausschuss-Protokolle.

„Als Landtagsstenograf verdient man ungefähr so viel wie ein Lehrer“, sagte die 27-Jährige. Es mangelt jedoch am Nachwuchs, rund 200 Berufsstenografen gebe es deutschandweit. Möller sieht in der Technik keine Konkurrenz: Stenografen korrigieren beim Diktat für das Protokoll auch falsch wiedergegebene Fakten und die Grammatik der Redner. Das nötige Fachwissen dafür recherchieren sie selbst. „Das kann die Technik nicht leisten“, sagte Möller.

Von Rebecca Rohrbach

Quelle: HNA

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