Flucht nahm blutiges Ende

Drei Täter brachen 1976 Gefängnis aus – 55-jährige Frau getötet

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Geschnappt: In Rommershausen wurde einer der Ausbrecher festgenommen.

Ziegenhain. Es war einer der spektakulärsten Gefängnisausbrüche in der Geschichte der Ziegenhainer Justizvollzugsanstalt. Ende Dezember 1976 flohen drei Schwerverbrecher.

Mehr als einen Tag waren sie auf freiem Fuß und hielten Polizei und Schwalmstädter in Atem. Der Ausbruch endete blutig: In Allendorf wurde eine 55-jährige Frau getötet. In Rommershausen richtete sich einer der Ausbrecher selbst.

27 Stunden zuvor: Die drei Häftlinge, von denen zwei wegen Mordes und einer wegen Mordversuchs einsaßen, überwältigten Beamte der JVA. Mit Pistolen, Munition und einem Justizbeamten als Geisel gelangten die Ausbrecher durch das Tor des Gefängnisses. Danach ließen sie die Geisel gehen und flüchteten.

Einer der drei Ausbrecher konnte schon kurze Zeit später geschnappt werden. Seine schlechten Augen wurden ihm zum Verhängnis. „Der Blinde“, wie der Mörder in der Justizvollzugsanstalt genannt wurde, hielt einen Kripobeamten für einen Taxifahrer.

Die beiden anderen Täter waren weiterhin auf der Flucht. Mehr als 350 Polizisten suchten fieberhaft nach den beiden Männern. Trotzdem gelang es den Schwerverbrechern, sich bis nach Allendorf durchzuschlagen. Über Nacht versteckten sie sich bei eisigen Temperaturen in einer Scheune bei Allendorf.

Erst am nächsten Tag setzten sie ihre Flucht fort. Am Abend überfielen die beiden ein Ehepaar in einer alten Mühle an der Schwalm und erbeuteten unter vorgehaltener Waffe Gummistiefel und Bekleidung. „Benachrichtigt ja nicht die Polizei. Wir sind noch in der Nähe und legen euch alle um“, soll einer der Ausbrecher gedroht haben, wie ein Boulevard-Magazin 1976 schrieb. Die beiden Schwerverbrecher zogen weiter. Obwohl ein Großaufgebot der Polizei im Einsatz war und nach ihnen suchte, konnten sie unbemerkt in ein weiteres Haus in Allendorf eindringen.

Schuss unter das linke Ohr

Dort saß gerade eine 55-Jährige im Erdgeschoss des Hauses in ihrem Sessel und häkelte Babysachen für ihr Enkelkind. Die beiden Ausbrecher betraten den Raum und töteten die Allendorferin mit einem Schuss unter das linke Ohr.

Ein Stockwerk höher überwältigten sie die schwangere Tochter und deren Ehemann. Beide wurden mit Kupferdraht gefesselt und von den Flüchtigen aufgefordert, ihr Bargeld rauszurücken. Mit 250 Mark flohen die Männer aus dem Haus.

Das junge Ehepaar konnte sich befreien. Ein Stockwerk tiefer fanden sie die 55-Jährige tot in ihrem Sessel. Trotz Polizeisperre um Allendorf schafften es die beiden Täter, Rommershausen zu erreichen, wo ihre Flucht schließlich endete. Einer der beiden Verbrecher konnte von der Polizei auf der Straße überwältigt werden. Der andere lieferte sich mit der Polizei einen heftigen Schusswechsel.

Als er bemerkte, dass seine Situation ausweglos war, griff er zu einer Kugel, die er vorher gekennzeichnet hatte. Mit einer Pistole schoss er sich in den Kopf. Im Krankenhaus erlag er seinen schweren Verletzungen.

Quelle: HNA

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