Theaterprojekt der Erich-Kästner-Schule mit Schülern – Aufführung ist am Sonntag

Die Flucht als Theaterstück

Flüchtlingsleid: Sanam und Gladys (links) vorne, dahinter Jerome und Emily sowie Kalkidan (hinten) kämpfen um ihre Koffer. Fotos: Thiery

Homberg. Als Robel Abraham mit einem Hubschrauber aus dem Meer gefischt wurde, waren schon 300 seiner Mitinsassen im Boot gestorben. Der 16-Jährige ist Flüchtling aus Eritrea. Nun besucht er die Erich-Kästner-Schule und erzählte von seinen Erlebnissen im Theater-Workshop des Jugendbildungswerkes. 15 Schüler erarbeiteten jetzt ein Theaterstück, das sie am Sonntag, 5. Juli, 17 Uhr, im Homberger Jugendzentrum aufführen.

Die 15 Schauspieler sind allesamt Jugendliche, die sich während der Projektwoche der Schule für das Thema angemeldet hatten. Sie alle eint die Lust an der Schauspielerei.

Dass sie dazu noch mehr als ihre Rolle lernen, wird ihnen bei der gemeinsamen Arbeit klar. Sie bringen ihre Erlebnisse auf die Bühne und lernen sich so kennen. „Ziel ist die Integration der Flüchtlinge“, sagte Bärbel Spohr vom Jugendbildungswerk. Obwohl sie gemeinsam mit deutschen Schülern die Schule besuchen und auch in Homberg leben, gebe es außerhalb der Schulstunden fast keinen Kontakt. Die Flüchtlinge blieben meist unter sich.

Das gemeinsame Erarbeiten eines Theaterstückes böte ungezwungene Möglichkeiten, sich außerhalb des Schulalltags zu begegnen. „Wir hoffen, dass sich daraus auch langfristig freundschaftliche Kontakte ergeben“, sagte Bärbel Spohr.

Als Bühne wurde das Jugendzentrum in Homberg gewählt. Auch dies diene einem pädagogischen Zweck, damit es den Flüchtlingen leichter gemacht werde, sich in ihrer Freizeit dort zu treffen.

Am Ende des Workshops steht ein eher fragmentarisches Theaterstück, das aus einzelnen Szenen zusammen gefügt ist und das Leben und den Alltag der Schüler zeichnet. Robel Abraham und Jerome Haupt etwa sitzen sich gegenüber und erzählen sich ihre Erlebnisse. Es geht um aufregende Situationen.

Kalkidan Mola (18) erzählt, dass sie in den Tagen des Projektes besser Deutsch sprechen gelernt hat. Außerdem sei das Zusammentreffen lustig und stressfrei. „Das ist mal eine Zeit ohne Sorgen und mit viel Spaß“, sagte sie.

„Die Stücke werden nicht vorgegeben, Basis der Arbeit ist das Spiel mit Körper, Stimme und Bewegung“, sagte Bärbel Spohr. Das Gruppenerlebnis sei positiv und das Selbstwertgefühl der Teilnehmer werde gestärkt.

Shantal Laatz aus Homberg, ist wegen des Schauspiels dabei. Solche Angebote gebe es an der EKS zu wenig. Angeleitet wurde die Gruppe von den beiden Theaterpädagoginnen Sabine Weitzel und Katrin Shepard aus Berlin innerhalb des interkulturellen Theaterprojektes „Here we are“. Die Kosten tragen das Jugendbildungswerk, die Well-being-Stiftung in Kassel zahlt 2000 Euro.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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