Kunstkritikerin Lori Waxman bespricht bei der documenta zwei Bauer-Werke

Flucht vorm Klimawandel

Alles Strampeln hilft nicht weiter: Der Klimawandel ist nicht aufzuhalten das will Hans-Joachim Bauer (Foto) deutlich machen. Unterstützung bekam er bei der Umsetzung des Projekts von Carmen Prelle. Foto: Privat

Homberg/Kassel. Ein bisschen nahm auch Hans-Joachim Bauer an der documenta teil. Der Homberger Landart-Künstler ließ sich von der Kunstkritikerin Lori Waxman, zwei seiner Kunstwerke, die sich mit dem Klimawandel beschäftigen, in deren Projekt „60 Worte pro Minute“ beurteilen.

Bauer wollte wissen, wie die berühmte Kritikerin seine Arbeit bewertet. Der Homberger unterhielt sich etwa 20 Minuten mit der Amerikanerin über seine Projekte und beobachtete dann über einen Beamer wie die Kritikerin arbeitete – recherchierte und den Text schrieb.

Der Klimawandel und der Kampf dagegen sind Bauers Schwerpunktthemen. 2010 zog er mit einem Boot einen Eisblock zum Gletschersee. Im März radelte er auf einem Heimtrainer am Jökulsárlón Gletscher (Island), der hinter ihm wegschmolz. Ein Rad, das trotz heftigen Strampelns nicht vorwärts kommt – auch vor der Katastrophe könne man nicht fliehen.

Der Homberger Künstler habe die Auswirkungen der globalen Erwärmung mit eigenen Augen gesehen und etwas dagegen unternommen, urteilt Lori Waxman. „In Klimakonferenz 2.0 bemühte er sich mit aller Kraft mit einem Heimtrainerfahrrad vom hinter ihm abschmelzenden Jökulsárlón Gletscher fort zu kommen. Die völlige Unzulänglichkeit solcher Bemühungen ist komisch, doch auf sinistre Weise; sie stehen für die schiere Unfähigkeit der Menschen, wesentliches gegen den beinahe unaufhaltsamen Fortschritt des Klimawandels zu unternehmen“, so Waxman weiter. Dass fast niemand diese künstlerischen Aktivitäten sehen könne, passe ausgezeichnet, weil neunzig Prozent der Gletscher schmelzen, während Sie gerade diese Zeilen lesen. Wobei man das natürlich nicht sehe, wenn man aus dem Wohnzimmerfenster blicke. „Hoffen wir, dass viele diese Gegenwartskunst zu schätzen wissen, auch, wenn dies nur ein kleiner Trost ist“, betont Waxman. Die Kunstkritikerin habe erkannt, was er mit seiner Kunst ausdrücken wolle, sagt Bauer und freut sich über diese Einschätzung.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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