Mosa Jamal (21) kommt aus Afghanistan

Sein Traumjob: Flüchtling beginnt Ausbildung im Wolfhager Seniorenzentrum  

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Aufmerksamer Zuschauer: Mosa Jamal (rechts) mit der Leiterin des Phönix-Seniorenzentrums, Rita Wefing (stehend), und Praxisanleiterin Gaby Blankenburg am Computer bei der Patientendokumentation. 

Wolfhagen. Mosa Jamal sitzt in einem Dienstzimmer des Wolfhager Seniorenzentrums Phönix und schaut Praxisanleiterin Gaby Blankenburg bei der Patientendokumentation am Computer zu.

Wenn alles reibungslos läuft, wird die Dokumentation in absehbarer Zeit Teil seines Berufslebens sein. Der junge Afghane will in diesem Jahr mit einer Ausbildung zum Altenpfleger beginnen.

Der 21-Jährige lässt keinen Zweifel, dass er sich auf dem Weg zu seinem Wunschberuf befindet und die Ausbildung im Haus Phönix nicht etwa eine Verlegenheitslösung ist, weil sich nichts anderen finden ließe: „Den alten Leuten zu helfen, das mache ich sehr gern. Es gefällt mir, mit Menschen zu arbeiten.“

Ein Praktikum als Einstieg

Ein Praktikum im vergangenen Monat in der Pflegeeinrichtung auf dem Wolfhager Teichberg und zuvor auch schon im Seniorenzentrum an der Wolfhager Karlstraße habe ihn in seiner Entscheidung bestätigt und wohl auch seine künftige Arbeitgeberin überzeugt.

Rita Wefing, Einrichtungsleiterin des Hauses Phönix, sagt, Mosa Jamal habe einen guten Eindruck hinterlassen, wie im übrigen auch drei weitere junge Flüchtlinge, die ebenfalls ein Praktikum absolvierten und wohl ebenfalls mit einer Ausbildung im Haus beginnen werden.

Ihnen allen bescheinigt Wefing, sie seien „sehr hilfsbereit und sehr höflich“. Bei den Mitarbeitern seien sie auf Wertschätzung gestoßen. Jamal sagt, er sei „sehr, sehr zufrieden“, auch weil er von den Mitarbeitern ein sehr gutes Zeugnis bekommen habe. Gute Voraussetzungen, die aber allein nicht ausreichen würden, wenn denn die Verständigung mit den Senioren nicht funktionierte.

„Die Mitarbeiter müssen die Bewohner verstehen können, das ist ganz wichtig“, betont Leiterin Wefing. Aber auch da sei Mosa Jamal, der seit zwei Jahren in Wolfhagen lebt und seitdem diverse Kurse besucht hat, auf einem sehr guten Weg. Er selbst sagt: „Ich verstehe die Sprache.“ Und das bestätigt auch Kathrin Schacht, Integrationsmanagerin des Landkreises Kassel.

Pflege: Suche nach Fachkräften

Zu ihr hatte Phönix-Leiterin Wefing Kontakt aufgenommen, denn: „Wir suchen Fachkräfte, und die Flüchtlinge sind da.“ Und wenn die Interesse haben, sei man seitens des Seniorenzentrums gerne bereit, in deren Ausbildung zu investieren. Im Schnitt habe das Haus 13 bis 14 Azubis, in diesem Jahr lernen sechs aus. Wefing: „Uns ist immer daran gelegen, dass wir Auszubildende bekommen.“ Fachkräfte seien in der Pflege nur schwer zu finden.

Mosa Jamal hat in Afghanistan einen Schulabschluss vergleichbar mit dem Abitur in Deutschland gemacht. Derzeit, sagt Integrationsmanagerin Schacht, liege das Zeugnis beim Staatlichen Schulamt zur Beglaubigung. Wenn es amtlich abgesegnet ist, kann er die Ausbildung zur Pflegefachkraft beginnen. Voraussetzung dafür ist ein Realschulabschluss.

Parallel zur Ausbildung: Hauptschulabschluss nachholen

Die drei anderen künftigen Azubis nutzen ein neues Programm der Wolfhager Herwig-Blankertz-Schule: Sie machen während ihrer Ausbildung, die im August beginnen wird, ihren Hauptschulabschluss nach. Anschließend kann man zwei weitere Lehrjahre zur Pflegefachkraft dranhängen.

Dass sie den Hauptschulabschluss nachmachen müssen, haben sie mit vielen anderen Flüchtlingen gemeinsam. Oft, sagt Integrationsmanagerin Schacht, gehen auf der Flucht Zeugnisse verloren oder aber Schulabschlüsse werden in Deutschland nicht anerkannt.

Für die jungen Flüchtlinge, sagt Schacht, sei das Angebot zur Ausbildung mit Aussicht auf einen Job in der Pflege eine große Chance. Berufliche Integration befördere auch die soziale Integration. In beiden Bereichen sei Mosa Jamal auf einem sehr guten Weg.

Quelle: HNA

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