30 Personen leben in der ehemaligen Lagerhalle

Flüchtlingsunterkunft am Guxhagener Bahnhof ist für viele der Übergang zur eigenen Wohnung

Ein Raum für die Familie: Azim (Zweiter von links) wohnt mit seiner Frau und seinen Kindern in Guxhagen. Mit auf dem Foto sind außerdem drei seiner vier Kinder Sara (links), Mohammad und Hossein sowie der Betreuer Maximilian Vogelsberg. Foto: C. Hartung

Guxhagen. Als wir im August 2016 in der Flüchtlingsunterkunft in Guxhagen zu Gast waren, lebten dort 40 Menschen – viele von ihnen waren Kinder. Ein erneuter Besuch hat gezeigt, was sich dort verändert hat und welche Probleme es gibt. 

Die ehemalige Raiffeisen-Lagerhalle am Guxhagener Bahnhof ist für Flüchtlinge meist die letzte Unterkunft, bevor sie ihre erste eigene Wohnung beziehen. 30 Personen aus dem Irak, dem Iran, aus Afghanistan, Somalia, Äthiopien und Eritrea leben dort zurzeit – 13 sind Kinder. Für 50 Menschen ist maximal Platz. „Seit etwa einem Jahr ist die Zahl stabil“, sagt Maximilian Vogelsberg, der die Menschen in der Unterkunft betreut. Bis Juli 2021 wird die Raiffeisenhalle mindestens als Unterkunft genutzt. Ob sie danach bestehen bleibt, richte sich nach den Belegungszahlen, teilt Lisa Hollinder Bäumer von der Pressestelle des Landkreises mit.

Die meisten derer, die am Bahnhof wohnen, sind alleinreisende Männer, berichtet Vogelsberg. Nur wenige Familien sind in dem blauen Gebäude am Bahnhof untergebracht. Durchschnittlich vier Monate verbringt ein Flüchtling dort. Die meisten kämen aus anderen Unterkünften im Schwalm-Eder-Kreis. „Für sie ist das hier der Übergang zur eigenen Wohnung“, erzählt Vogelsberg. „Deswegen lasse sie so viel wie möglich selbst machen.“ Bei Arztterminen und Formularen von Behörden stehe er den Bewohnern immer zur Seite.

Wenn erst einmal der Asylantrag durch sei und eine Duldung vorliege, seien die Flüchtlinge auf sich alleine gestellt. Denn statt der Betreuungsstelle des Landkreises sei dann das Jobcenter zuständig – einen direkten Betreuer gebe es nicht mehr. „Das macht die Integration enorm schwierig“, sagt Vogelsberg. Hollinder Bäumer vom Landkreis betont allerdings, dass bei Fragen und Problemen die Betreuungsstelle weiter zur Verfügung stehe.

Erst neulich habe eine Familie, die in der Guxhagener Unterkunft untergebracht war, eine Wohnung in Kassel gefunden, erzählt Vogelsberg. Weil die Kinder (9 und 14 Jahre) die besten Sprachkenntnisse hätten, regelten sie weitestgehend den Alltag der Familie. „Die werden wirklich ein bisschen alleine gelassen.“

Der 27-jährige Azim aus Afghanistan wohnt mit seiner Frau und vier Kindern am Bahnhof. Bevor sie nach Guxhagen kamen, waren sie in einem Haus in Gilserberg untergebracht. Dieses war allerdings dermaßen baufällig, dass sie dort raus mussten, erzählt der 27-Jährige. Wohnungen für große Familien zu finden, sei enorm schwierig, sagt Vogelsberg. „Ich würde gerne einen Deutschkurs machen, aber das darf ich nicht“, erklärt Azim. Flüchtlinge aus anderen Ländern mit besserer Bleibeperspektive würden bevorzugt. Im Gebäude nebenan bietet die Ullrich-Akademie aus Kaufungen Deutschkurse an. Angeboten wird ein Alphabetisierungskurs sowie ein Integrationskurs für Flüchtlinge, die bereits erste Sprachkenntnisse besitzen.

Ein weiteres Problem für die afghanische Familie: Keines der Kinder hat einen Kita-Platz. Überhaupt habe nur die Hälfte der Kinder im Kindergartenalter derzeit einen Platz, sagt Vogelsberg. „Es gibt einfach zu wenige Plätze.“ Er hofft, dass sich die Situation verbessert, wenn die neue Kita am Fuldaberg im Sommer dieses Jahres öffnet.

Hintergrund

Für 420 000 Euro hatte Architekt Joachim Vogelsberg das Gelände umgebaut. Betreiber der Unterkunft ist die Familie Vogelsberg. Der Landkreis hat die Unterkunft von der Gemeinde angemietet. Neben den Wohnungen gibt es unter anderem auch ein Café. Maximilian Vogelsberg will für die Jüngsten ein Spielzimmer in der Unterkunft einrichten. Dafür werden noch Spielsachen, Bücher, kleine Stühle sowie Bücherregale benötigt. „Wir freuen uns sehr über Spenden“, sagt er. Diese kann man täglich an der Unterkunft an der Raiffeisenstraße in Guxhagen vorbeibringen. 

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion