Wissenschaftsastronaut Ulrich Walter sprach vor 500 Zuhörern

Amüsanter Erzähler: Physiker und Astronaut Prof. Dr. Ulrich Walter gab in der Antreffhalle Merzhausen einen spannenden und unterhaltsamen Einblick in die Raumfahrt. Foto: Rose

Merzhausen. Die Teflonpfanne stammt nicht aus der Raumfahrt – um diese und um viele weitere Erkenntnisse dürften am Mittwochabend knapp 500 Zuhörer in der Merzhäuser Antreffhalle reicher geworden sein.

Auf Einladung der VR-Bank Hessenland war dort der Wissenschaftsastronaut und Physiker Prof. Dr. Ulrich Walter zu Gast.

Zusammen mit Hans Schlegel und fünf amerikanischen Astronauten machte sich Walter 1993 an Bord der Columbia in Richtung Erdumlaufbahn auf. Während des zehntägigen Fluges betreuten die Astronauten etwa 90 Experimente. Heute lehrt der gebürtige Westfale Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München.

In Merzhausen gab Ulrich Walter spannende und unterhaltsame Einblicke in die Raumfahrt. Mithilfe von Forschungen rund um Satelliten habe man etwa die Vorhersage des Wetters seit den 1980er-Jahren revolutinieren können. „Heute liegt die Wahrscheinlichkeit der Vorhersagen bei über 95 Prozent“, erklärte der Astronaut. Beispielhaft sei auch die Frage, ob eine Kerze eigentlich auch in Schwerelosigkeit brennt. Jahrzehntelang waren sich die Forscher uneinig. Walter und Schlegel erbrachten den Beweis, dass die Kerze mit einer kleinen, aber dafür blauen Flamme brennt.

Faszinierendes förderten auch Bilder von der Erde aus dem Weltraum zutage. So belegten Fotos die Existenz der antiken Stadt Ubar – einer wirtschaftlichen Metropole im Oman.

Was hat uns die Raumfahrt für unseren Alltag gebracht? Auch darauf wusste Walter erstaunliche Antworten. Der Akkuschrauber wurde unter anderem von der Nasa erfunden: „Beim Versuch, einen Bodenbohrer für den Mond zu entwickeln, der ohne Strom funktioniert“, erläuterte Walter.

Millionen Kilometer

Dass so ein Shuttleflug jedoch auch mit allerlei Bürokratie verbunden, hätte wohl keiner der Gäste vermutet. „Dabei arbeiten Astronauten weltweit im öffentlichen Dienst“, sagte der Physiker. Reich würde man bei einem Jahresgehalt von 90 000 D-Mark deshalb nicht. Dafür muss ein Astronaut viele Unterlagen ausfüllen – etwa den Reisekostenantrag. „Da kamen in zehn Tagen 6,7 Millionen Kilometer zusammen“, erklärte Walter. Pro Kilometer hätte es 38 Pfennig gegeben.

Auch das Tagegeld hätte sich lohnen können: Denn laut dem Reisekostengesetz zähle die Zeit zwischen den beiden Sonnenaufgängen. „Wir hatten im All 16 pro Tag.“

Letztlich erhielt Walter von der Nasa einen Scheck über 34 Dollar. Den rahmte sich der Astronaut als Erinnerung ein. Einlösen wollte er ihn nicht, worüber sich die Nasa ziemlich wunderte. „Um ihr Wirtschaftsystem nicht durcheinander zu bringen, musste ich eine eidesstattliche Erklärung abgeben, den Scheck nie mehr in meinem Leben einlösen zu wollen“, erzählte Ulrich Walter. Bilder von der Erde, aufgenommen von einer Raumstation in 350 Kilometer Höhe, rundeten den kurzweiligen Abend ab – dem Publikum gefiel´s.

Von Sandra Rose

Astronaut und Physiker Prof. Dr. Ulrich Walter referierte in Merzhausen

Quelle: HNA

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