Ein Erfahrungsbericht von HNA-Mitarbeiter Sascha Hoffmann

Flugsportvereinigung Kassel-Zierenberg bringt Reporter in die Luft

Seit 2010 begeisterte Segelflieger und auf dem Weg zum eigenen Luftfahrerschein: die 15-jährigen Freunde Leon Hildebrandt und Jannik Haase.

Zierenberg. Die Flugsportvereinigung Kassel-Zierenberg hat  HNA-Mitarbeiter Sascha Hoffmann zu einem Segelflug über das Wolfhager Land eingeladen - ein Erfahrungsbericht.

Meine Gedanken fahren Achterbahn. Was habe ich mir da bloß angetan? Immer flauer wird es mir in der Magengegend, als die Mitglieder der Flugsportvereinigung Kassel-Zierenberg meinen Sicherheitsgurt festziehen und ein letztes Mal den Notfallschirm checken, der mir zumindest einen Hauch von Sicherheitsgefühl geben soll. „Hals und Beinbruch", rufen sie mir zu, die Plexiglashaube über mir schließt sich und Pilot Florian Kaiser gibt von vorn letzte Instruktionen.

Den habe ich zuvor natürlich ganz genau unter die Lupe genommen, über 3000 Flüge sollten reichen, um auch mich sicher rauf in den Himmel und - noch viel wichtiger - wieder sanft gen Boden zurück zu bringen.

Es gibt kein Zurück mehr. Ein kurzer Ruck, und die weiße Duo Discus-xLT schießt über den ruckeligen Dörnbergrasen, angetrieben durch die Dieselwinde, die mich mit ihren 300 Pferdestärken voller Wucht in den Sitz presst. Es dauert nicht lange, da geht es im 35-Grad-Steilflug rauf ins unendliche Blau. Dann ein lauter Schlag, gefolgt von unbeschreiblicher Stille. Das Seil ist ausgeklinkt und die Maschine gleitet sanft durch die Luft. Dass sie mittlerweile mit gut 100 Stundenkilometern den wolkenlosen Frühlingshimmel erobert und mich längst an die 300 Meter vom sicheren Erdboden trennen - vergessen! Das leise Rauschen des Windes, die atemberaubende Sicht über den Habichtswald, das alles lässt die anfängliche Angst im Nu vergessen. Der Alpenpfad, der sich unter mir rund um den Dörnberg schlängelt, die Wichtelkirche, ja sogar die ansonsten so herrschaftlich über dem Segelflugplatz thronenden Helfensteine - aus der Vogelperspektive scheint alles plötzlich so unbedeutend winzig und gleichzeitig doch so wunderschön.

Mit dem Segelflieger übers Wolfhager Land

Das macht sie also aus, die Faszination Segelfliegen, die auch immer mehr junge Flieger in ihren Bann zieht. Leon Hildebrandt und Jannik Haase sind seit 2010 dabei. Über eine Modellflug-AG an ihrer Schule sind die 15-jährigen Jungflieger zu dem außergewöhnlichen Hobby gekommen, sind während eines Freizeit-Lehrgangs erstmals abgehoben und haben sich im vergangenen Jahr freigeflogen. „Das Gefühl ist einfach unbeschreiblich“, sagt Leon, der sich wie Jannik auf der Zielgeraden zum eigenen Luftfahrerschein befindet und vom Segelflugsport gar nicht genug bekommen kann.

Zum erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung gehört aber nicht nur das Fliegen selbst, sondern auch jede Menge Theorie, die Unterricht in den Fächern Meteorologie, Navigation, Flugzeugtechnik und Luftrecht beinhaltet. Auch Pilot Florian Kaiser hat all das hinter sich, unterrichtet heute selbst den Nachwuchs. Dass der dabei in guten Händen ist, das merke auch ich, als mein erster Flug nach rund zehn Minuten mit einer sicheren Landung endet und die Achterbahnfahrt meiner Gedanken in einem unbeschreiblichen Glücksgefühl gipfelt.

Quelle: HNA

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