Das Kreuz gibt es als Symbol in verschiedenen Formen und Bedeutungen

Von Folter bis Erlösung

Der König der Juden: „Hic est Rex Judæorum“ steht auf dem Balken des Kreuzes aus Lindenholz im Altarraum der katholischen Kirche in Zierenberg. Der 1,50 Meter große Korpus ist 1957 geschnitzt worden. Die beiden Figuren zeigen Maria und Johannes. Fotos: Dietzel

Wolfhager Land. Kreuze tauchen immer wieder im Alltag auf: In der Architektur, als Symbol beim Roten Kreuz, beim Kartenspielen.

An Ostern wird die Auferstehung Jesu Christi gefeiert. Das Kreuz erzählt vom Sterben, dem Tod Jesu Christi und seiner Auferstehung. „Es steht für den Glauben, die Hoffnung und die Liebe“, sagt Dekan Dr. Gernot Gerlach vom Evangelischen Kirchenkreis Wolfhagen. Christen haben in dem Glauben, dass der Tod durch die Auferstehung Jesu Christi überwunden worden ist, das Kreuz als Orientierung aufgegriffen. Sie machen sich damit bewusst, dass Gott allein das Heil von oben schenkt und seine Liebe der ganzen Welt in der Horizontalen ausbreitet.

„Daher sollen sich Christen für Menschen in Not einsetzen“, sagt Gerlach. Dieser Gedanke spiegele sich beim Roten Kreuz, bei den Maltesern und Johannitern wider, die aus Ordensgemeinschaften hervorgegangen sind.

„Menschen brauchen Symbole um sich in der Welt zu orientieren“

Axel Voss Gesellschaft für Symbolforschung

„Menschen brauchen Symbole um sich in der Welt zu orientieren“, sagt Axel Voss vom Vorstand der Gesellschaft für wissenschaftliche Symbolforschung.

Der waagerechte Balken des Kreuzes stehe bei den Christen für das Irdische und der senkrechte für die Verbindung zum Himmel. Schon in der vorchristlichen Zeit diente das Kreuz den Menschen, um der Welt eine Struktur zu geben.

Das Wagenkreuz zum Beispiel zeigt einen Kreis, der die Erde darstellen soll, mit einem Kreuz darin, das die Welt viertelt, erklärt Voss. „Die Symbolik der Vier kehrt immer wieder, bei den Himmelsrichtungen, den Elementen, den Jahreszeiten.“

Die Glaubensbotschaft vor dem leeren Grab nach der Auferstehung Jesu lautet: „Fürchtet Euch nicht! Ich weiß, dass Ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier. Er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat. Geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten“ (Matthäus-Evangelium, Kapitel 28).

Heilsame Unterbrechung

Somit bedeute das Kreuz, dass alle Gewalt des Todes durchkreuzt ist. Die Macht der Vernichtung, des Krieges, des Hasses und des Todes sind um Gottes Willen überwunden. „Wir glauben, dass menschliches Leid und der Tod zum Leben gehören“, sagt Gerlach. Das Osterfest sei eine heilsame Unterbrechung, um den Grund des menschlichen Lebens und Glaubens neu zu erschließen.

Mit dem Kreuz war zunächst Negatives assoziiert worden, erklärt Axel Voss. Symbole der der frühen Christenheit waren eher der Fisch und das Schiff. „Das Kreuz hat sich dann vom Folterinstrument zum Erlösungs-Symbol gewandelt“, sagt Voss.

Paulus schreibt in seinem 1. Brief an die Gemeinde in Korinth etwa im Jahr 51 nach Christus: „Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft“ (1. Korintherbrief 1, 18).

Von Stefanie Dietzel

Quelle: HNA

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