Vermittelte sein Wissen sogar in Südkorea

Forstamtsleiter Christian-Peter Foet geht in Ruhestand

Bald mehr Zeit zum Lesen: Christian-Peter Foet geht Ende Februar in Ruhestand. Er leitete zuletzt zehn Jahre lang das Forstamt Melsungen. Foto: Feser

Melsungen. Nach 40 Dienstjahren bei Hessen Forst geht Christian-Peter Foet am kommenden Freitag in Ruhestand. Seit 2005 leitete er das Forstamt Melsungen.

Zum Abschied hat sich Christian-Peter Foet einen Douglasien-Vortrag gewünscht. Douglasien haben die Zeit des scheidenden Forstamtsleiters in Melsungen geprägt. „Außerdem ist sie ein toller Baum“, sagt der 65-Jährige. Die Douglasie ist sturmfest, hat tiefe Wurzeln, kann mit Hitze gut umgehen und ist ertragreich. Genau wie Christian-Peter Foet.

Sturmfest ist er wahrlich. Seit 40 Jahren hat er jeden Orkan, der über Hessen gezogen ist, im Dienst erlebt. Und Sturmtief Vivian hautnah: Im Februar 1990 hatten Meteorologen vorhergesagt, dass Vivian gegen 11 Uhr mit bis zu 180 Stundenkilometern übers Forstamt Haddamar hinwegziehen würde, dessen Leiter Foet damals war. Also fuhr er zu einem Waldgebiet, das mitten in der Sturmschneise liegen würde.

Was er dann gesehen hat, wird er nie vergessen: „Um 11 Uhr jagte der Orkan über das Waldstück“, berichtete Foet, „und die Buchen fielen wie in Zeitlupe um.“ Er hatte erwartet, dass es kracht, knackt, poltert, tobt. Aber nein: „Die Bäume sind ganz majestätisch umgefallen.“ Ein Naturerlebnis.

Wiebke, Dorian, Vivian, Kyrill oder Xynthia - alle Stürme haben Foet gelehrt, nichts zu überstürzen und vorausschauend zu arbeiten. Zwischen 2007 und 2014 mussten Bäume auf einer Fläche von 600 Hektar, also umgerechnet 840 Fußballfelder, aufgearbeitet und nach und nach verkauft werden. Da kam dem Forstamtsleiter eine seiner Stärken zugute: Er kann gut organisieren. Foet ist ein strukturierter Mann und überlässt ungern etwas dem Zufall. Beobachten, analysieren, umsetzen - das ist seine Arbeitsweise.

Diese Arbeitsweise brachte er mit nach Südkorea, als er als junger Forstwissenschaftler Anfang der 1980er-Jahre für zweieinhalb Jahre dort arbeitete. Foet erfasste, bewertete, plante den Wald nach deutschen Richtlinien: „Das war für die Südkoreaner damals völlig neu.“ Kürzlich hat Foet in einer deutschen Tageszeitung einen Artikel über Forstwirtschaft in Südkorea gelesen und gesehen, „dass ich dort meine forstlichen Spuren hinterlassen habe, und das war eine große Genugtuung und Freude.“

Foet ist ein ruhiger, überlegter Mensch, das norddeutsche Wesen hat der gebürtige Oldenburger verinnerlicht. Dann und wann brechen Emotionen aber doch aus ihm heraus. Zum Beispiel wenn er vom Luchs erzählt, den er bei einem Waldspaziergang zwischen den Bäumen entdeckte. Foet ging vorsichtig näher, um zu testen, wann der Luchs vor Menschen scheut. Bis auf 30 Meter kam er heran - dann lief der Luchs weg. „Als ich zurück zum Auto ging, hatte ich plötzlich das Gefühl, dass mich jemand verfolgt.“ Foet drehte sich um, da stand der Luchs hinter ihm, in sicherer Entfernung und beobachtete ihn. Ein Naturerlebnis.

Auch die Douglasie beeindruckt Foet immer wieder, der Baum, der eigentlich aus Nordamerika stammt und aufgrund seiner Eigenschaften mittlerweile auch bei uns heimisch geworden ist. Wenn Christian-Peter Foet am Freitag den Douglasien-Vortrag zum Abschied hört, dann weiß er: Sein letzter Arbeitstag hat begonnen. Ein komisches Gefühl - nach 40 Jahren Dienst für Hessen Forst.

Quelle: HNA

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