Gesprächsbedarf nach Anfeindungen

Fotoshooting mit Zwillingsmutter für Kalender mit stillenden Müttern

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Styling vor dem Fotoshooting (von links): Anke Garba, Herausgeberin des Fotokalenders „Still-Leben“ mit Tochter Charlotte. Sie schminkte Annabell Schildhauer mit Sohn Carlos (8 Monate) auf dem Markplatz in Wolfhagen – allerdings nur für unser Foto.

Wolfhagen. „Eigentlich ist es etwas Normales, worüber man nicht sprechen müsste, aber es gab so viele Anfeindungen, dass man offensichtlich doch darüber sprechen muss." Anke Garba meint damit Mütter, die in der Öffentlichkeit stillen und auf Unverständnis von Menschen stoßen, die das mitbekommen.

„Eigentlich ist es etwas Normales, worüber man nicht sprechen müsste, aber es gab so viele Anfeindungen, dass man offensichtlich doch darüber sprechen muss.“ Anke Carba meint damit Mütter, die in der Öffentlichkeit stillen und auf Unverständnis von Menschen stoßen, die das mitbekommen. Seit sie selbst Mutter ist und beim Stillen immer wieder mit bösen Blicken konfrontiert wurde, wuchs in ihr das Unbehagen. „Es kann nicht sein: Wenn ein Kind Hunger hat, hat es Hunger“, sagt die Mutter einer acht Monate alten Tochter.

Als Gegenbewegung gegen die Ablehnung hat sie zusammen mit ihrem Freund und Fotograf Markus Lambrecht das Fotoprojekt „Still-Leben“ gestartet. Am Freitag war sie mit einer Mutter von Zwillingen auf dem Markplatz in Wolfhagen verabredet. Sie ist die Elfte von 13 Müttern, die für einem Fotokalender für das Jahr 2015 fotografiert werden. Mit ihm sollen Frauen an öffentlichen Plätzen in und um Kassel gezeigt werden, die ihren Kindern die natürlichste Nahrung der Welt geben: Muttermilch. Mitte Oktober soll der Kalender im Calvendo Verlag erscheinen.

Die Wolfhagerin Annabell Schildhauer hat sich vor einigen Wochen für den Kalender fotografieren lassen. Sie posierte in einem Studio für Brautmoden in Kassel mit ihrem damals vier Monate alten Sohn Carlos. „Ich habe schon in Cafés, beim Friseur oder im Wartezimmer beim Arzt gestillt und noch keine schlechten Erfahrungen gemacht.“ Das Argument von Kritikern, dass Frauen doch stillen könnten, bevor sie das Haus verlassen, kann sie nicht verstehen: „Ich habe es am Anfang versucht abzupassen und bin sogar heimgefahren, aber dann hatte ich ein schreiendes Kind im Auto, dass finde ich viel Schlimmer“, sagt Schildhauer. Denn man könne das Kind auch dezent stillen, müsse die Brust nicht heraushängen lassen, sagt Schildhauer. „Ich selbst versuche immer eine Strickjacke anzuhaben, um sie darüber zu hängen.“

Die 34-jährige Mutter von Zwillingen, möchte ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen - „aber nicht, weil ich Kritik befürchte.“ Auch sie hat noch keine schlechten Erfahrungen beim Stillen in der Öffentlichkeit gemacht. „Meistens habe ich im Auto auf einem Parkplatz gestillt“, so die gebürtige Ippinghäuserin. Dass es Frauen gibt, die als „pervers“ und als „öffentliches Ärgernis“ beschimpft wurden, weil sie im Auto oder im Park gestillt haben, kann sie nicht verstehen. „Es gibt eine Doppelmoral: Überall sieht man Brüste, und leicht bekleideten Frauen wird auch gerne hinterher geschaut, nur wenn eine Frau ihr Kind an die Brust lässt, ist es plötzlich ein Problem?“

Von Nina Nickoll

Quelle: HNA

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