Frage nach der Notwendigkeit: Info-Abend zu Südlink

Prof. Dr. Hans Martin

Edermünde. Der Widerstand gegen die Gleichstrom-Trasse Südlink wächst. In Edermünde informierten die Chattengau-Gemeinden über die Pläne und die Kritik daran.

70, 80 Meter hohe Masten, die Stromleitungen mit gewaltigen vier Gigawatt Leistung verbinden und so eine Höchstspannungstrasse quer durch die Region bilden: Das ist das Szenario, das seit vorigem Herbst viele Menschen in Nordhessen und darüber hinaus fürchten.

Wie groß die Befürchtungen sind, worauf sie fußen und was die Projektplaner der Firma Tennet als Gründe dafür anführen, war Thema eines Info-Abends im Dorfgemeinschaftshaus Besse. Die Bürgermeister aus Edermünde, Gudensberg und Niedenstein hatten eingeladen, der Saal war wegen des großen Interesses brechend voll.

Während der Fachmann für Bürgerbeteiligung von Tennet, Thomas Wagner, die offizielle Linie der Bundesnetzagentur vertrat und auf die Notwendigkeit des Stromtransports von Nord nach Süd im Sinne der Energiewende hinwies, kritisierte etwa Frank Börner (Gudensberg) die intransparenten Trassenpläne. Woher die vielen möglichen Verläufe kämen, sei nicht erkennbar.

Die vielen Varianten seien eine echte Überraschung gewesen, sagte auch Dr. Klaus Lambrecht vom Kreis. Er wies auf die Kritik der Landkreise und Kommunen hin, die zum einen die Trassenführung hinterfragten. Zum anderen stelle sich inzwischen jedoch eher die Frage nach dem „Ob“: Ist die Trasse, die wie eine Autobahn quer durch Deutschland führt, ohne dass die Regionen etwas davon haben, überhaupt notwendig?

„Nein“, so der Tenor bei den Kritikern, die sich in vielen Bürgerinitiativen zusammengefunden haben. „Es gibt Zweifel, ob der Bedarf für diese Leitung seriös ermittelt wurde“, sagte Dr. Lambrecht unter dem Beifall der Zuhörer. Auch der Kreistag Schwalm-Eder habe in einer Resolution gefordert, die Planungen zu stoppen. Lambrecht wies auf die Haltung Bayerns hin: Dort solle der Strom hin, werde aber offenbar gar nicht gewünscht.

Detailliert versuchte der Arbeitswissenschaftler Prof. Dr. Hans Martin zu erläutern, wie eine Gleichstromleitung wirken könne auf Tiere und Menschen. Sein Fazit: Die Folgen solcher elektrischen Felder aus Gleichstrom könne man nicht kennen, es fehlten Langzeitstudien. Und Grenzwerte seien seiner Erfahrung nach recht willkürlich festgesetzt worden. „Die Trassen haben Folgen, aber keiner kennt die Ursachen“, warnte er. Es sei viel zu gefährlich, eine Technik zu nutzen, deren Auswirkungen unklar seien.

Bernd Meisterfeld von der BI gegen Südlink betonte, dass die Trasse ein Schritt in die falsche Richtung sei. Man versuche in der Region, dezentrale Energieerzeugung zu entwickeln und sei gegen Konzepte, die nur den großen Energiekonzernen nutzten.

Quelle: HNA

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