Frankfurt

Frankfurt: Der Fliegende Robert als Vorbild

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Beate Zekorn-von Bebenburg fühlt sich wohl in „ihrem“ Museum.

Beate Zekorn-von Bebenburg leitet mit Leidenschaft das Struwwelpeter-Museum in der Neuen Altstadt.

Dort, wo am Hühnermarkt aus einem Gebäude der Struwwelpeter und das Paulinchen herausschauen, dort arbeitet Beate Zekorn-von Bebenburg. Sie sitzt in ihrem Büro, das ebenso wie sie selbst sehr aufgeräumt und geordnet wirkt.

Zekorn-von Bebenburg ist die Leiterin des Struwwelpeter-Museums, das seit wenigen Wochen in der neuen Altstadt zu Hause ist. Mit gerade einmal 29 Jahren übernahm sie 1991 das Museum, das damals noch Heinrich-Hoffmann-Museum hieß und im Westend residierte. Zu dem Zeitpunkt hatte Zekorn-von Bebenburg gerade in Frankfurt ihr Studium der Germanistik mit dem Schwerpunkt Kinderbuchforschung, Völkerkunde und Kunstgeschichte abgeschlossen. „Es hat damals alles einfach gepasst“, sagt die heute 58-Jährige, die an diesem Tag ein schickes schwarzes Kleid und einen Seidenschal trägt.

Ob ihr der Beruf nicht irgendwann mal langweilig wurde? „Ganz und gar nicht“, sagt sie, und in ihren Augen kann man die ungebrochene Begeisterung erkennen, die sie für Hoffmanns berühmtestes Werk „Der Struwwelpeter“ und dessen Charaktere hegt. „Es geht ja nicht nur um ein Kinderbuch, an diesen Geschichten hängt unglaublich viel dran“, betont sie. Sei es die Tatsache, dass es eines der ersten Kinderbücher seiner Art war, das Bild und Text kombinierte, sei es die Lebensgeschichte des Arztes und Psychiaters Heinrich Hoffmann, die sie spannend findet. Auch die vielfältige Rezeption des 1845 erschienenen Buches sei nur ein Teil des ganzen Bildes. Ihre Eltern hätten ihr, als sie noch klein war, nicht aus dem Buch vorgelesen. „Aber ich bin dann selbst ans Bücherregal und habe den ‚Struwwelpeter‘ gelesen.“

Ihre Lieblingsfigur sei allerdings nicht Struwwelpeter selbst, sondern der Fliegende Robert. „Er fliegt einfach davon und lässt sich vom Wind treiben, statt am Boden zu bleiben“, sagt sie. Sie selbst reise auch gerne und lasse sich mal vom Wind tragen. Ihre Reisen haben sie schon in viele Länder dieser Erde geführt – meistens mit ihrem Ehemann, dem FR-Redakteur Pitt von Bebenburg. Und manchmal tauche dann in fernen Ländern auch der Struwwelpeter auf. „Einmal habe ich auf Bali in Indonesien in einem Taxi gesessen und da baumelte eine Struwwelpeter-Figur am Rückspiegel“, erzählt sie und lacht.

Über so viele Jahrzehnte sei der Struwwelpeter beliebt geblieben. Was aber sagt sie zu den Kritikern, die finden, dass das Kinderbuch zu brutal für Kinder sei? Wie beispielsweise in der Geschichte, in der dem notorischen Daumenlutscher Konrad der Daumen abschnitten wird? „Ich finde die Geschichte auch sehr drastisch, aber Kinder müssen unterscheiden lernen, was real und was Fiktion ist. Das ist das Gleiche, wenn Erwachsene Krimis lesen.“

Die ungebrochene „Struwwelpeter“-Popularität merke man auch im Museum. Rund 14 000 Besucher schauten sich bisher jährlich die Ausstellung im alten Struwwelpeter-Museum im Westend an. „Jetzt, wo das Museum an einem deutlich prominenteren Standort ist, werden es deutlich mehr“, hofft sie.

Das alte Museum vermisst sie nicht so sehr. „Das neue Museum ist größer, besser gelegen und kann einfach mehr bieten“, sagt sie. Im April war der letzte Öffnungstag im Westend, im Juli sind sie umgezogen, Ende September dann die Neueröffnung.

„Es war sehr anstrengend, ein Haus auszuräumen, in dem seit 1977 das Museum sein Zuhause hatte.“ Eines ihrer Lieblingsstücke sei ein Brettspiel, das Hoffmann für seine Kinder entworfen hatte. „Da muss man würfeln, und je nachdem, auf welches Feld man kommt, muss man Münzen abgeben oder darf weiter vorrücken oder muss zurück“, sagt sie. Wer als Erster am Ziel ist, gewinnt. „Des Herrn Fix von Bickenbach Reise um die Welt in 77 Tagen“ heißt es, angelehnt an Jules Vernes „In 80 Tagen um die Welt“. „Der Herr Fix von Bickenbach war eben schneller“, meint sie und lacht. Ein nachgemachtes Exemplar habe sie zu Hause und spiele es ab und an auch mit ihrem Mann.

Wohin sie ihr Weg à la Fix von Bickenbach in ferner Zukunft noch treiben wird, steht wohl in den Sternen wie beim Fliegenden Robert. Erst mal reist sie aber mit ihrem Mann nach Argentinien – ein wenig Urlaub nach dem stressigen Umzug. Und danach plant sie auf jeden Fall, noch ein paar Jahre beim Fliegenden Robert, Hans-guck-in-die-Luft und dem Struwwelpeter zu bleiben.

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