Abriss gestoppt  

Weil es Probleme gibt: Bunker-Sprengung in Frankfurt gestoppt 

Probleme beim Abriss des Bunkers in Frankfurt: Bei einer Lockerungssprengung brach ein Stück der Außenmauer heraus und riss einen Teil des Baugerüsts mit in die Tiefe.
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Probleme beim Abriss des Bunkers in Frankfurt: Bei einer Lockerungssprengung brach ein Stück der Außenmauer heraus und riss einen Teil des Baugerüsts mit in die Tiefe.

Der Abriss eines Bunkers aus dem Zweiten Weltkrieg in Frankfurt muss gestoppt werden. Bei der Sprengung sind Probleme zutage getreten.

  • Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg mitten in Frankfurt wird abgerissen
  • Probleme bei Sprengungen – diese werden gestoppt
  • Anwohner im Ostend beschwert sich

Frankfurt - Dass beim Bunkerabriss in der Freiligrathstraße im Ostend in Frankfurt etwas schiefläuft, vermutete Günter Berger schon vergangenen Mittwoch (08.01.2020). Bestätigt fühlte er sich nur zwei Tage später. Einem lauten Knall folgte ein Knirschen und Scheppern. Bei einer Lockerungssprengung war ein Stück der Außenmauer herausgebrochen und riss einen Teil des Baugerüsts mit in die Tiefe. Verletzt wurde niemand. "Wäre das auf der westlichen Seite passiert, hätte das katastrophale Folgen gehabt", sagt Berger. An dieser Stelle grenzt sein Haus an den Bunker, die Entfernung beträgt keine zehn Meter.

Weil er bei der Bauaufsicht niemanden mehr erreicht hatte, informierte Berger noch am Freitagnachmittag die Stadtpolizei. Zwei Mitarbeiter sprachen daraufhin an Ort und Stelle mit den Verantwortlichen auf der Baustelle. Gearbeitet werde seitdem zwar noch auf der Baustelle, gesprengt allerdings nicht mehr. Für ihn ist der "Unfall" ein Indiz dafür, dass die Sprengladungen überdimensioniert gewesen seien. Zwei Tage zuvor sei eine Explosion schon viel zu laut gewesen. "Mir ist fast die Kaffeetasse aus der Hand gefallen, so erschrocken bin ich", erinnert sich Berger.

Probleme beim Abriss des Bunkers in Frankfurt: Bei einer Lockerungssprengung brach ein Stück der Außenmauer heraus und riss einen Teil des Baugerüsts mit in die Tiefe.

Sprengung von Bunker in Frankfurt: Nur Holz- und Blechverkleidungen

Der Anwohner im Ostend in Frankfurt ist ohnehin der Meinung, dass im Interesse der Nachbarn mehr Schutzmaßnahmen nötig seien. "Das Areal ist schwierig", räumt er ein. Aber: Lärm- und Staubschutz gebe es praktisch keinen, kritisiert Berger. Es seien nur Holz- und Blechverkleidungen am Gebäude angebracht worden. "Weil das Material ausgegangen ist, ist teilweise Plastikfolie verwendet worden."

Dass ein Bunkerabriss auch anders geht, habe er in Hamburg gesehen. Bergers Bruder lebt in der Hansestadt. Auch neben ihm sei ein Bunker abgerissen worden. "Da hat man Seecontainer als Lärmschutz übereinander gestapelt. Ich war beeindruckt."

Nach Angaben von Simone Zapke, Leiterin der Bauaufsicht der Stadt Frankfurt, ruhen die Arbeiten im Ostend im Moment. Lockerungssprengungen seien bei Bunkerabrissen üblich. "Einen solchen Fall haben wir bislang aber noch nicht gehabt. Ein Statiker prüft deshalb, was die Ursache dafür ist, dass ein Mauerstück herausgebrochen ist." An Spekulationen, ob tatsächlich zu viel Sprengstoff verwendet worden sei, will sich Zapke nicht beteiligen. Das Gerüst mit Schallschutzplatten sei als Lärmschutz ausreichend, sagt die Amtsleiterin. Beschwerden gebe es noch keine.

Abbruchunternehmer Robert Zeller aus Offenbach weiß noch nicht, wann die Sprengungen weitergehen können. "So können wir jedenfalls nicht weitermachen. Wir müssen unser Konzept anpassen", sagt er. Die ersten Sprengungen vergangene Woche seien Probesprengungen gewesen, um zu sehen, wie das Gebäude reagiere. Eine Gefahr für Anwohner habe aber zu keiner Zeit bestanden, betont er.

Von seinem Balkon in Frankfurt aus kann Günter Berger fast zum Bunker hinübergreifen. Der Lärm direkt vor seinem Fenster stört ihn. 

Der Bunker in der Freiligrathstraße aus dem Zweiten Weltkrieg weicht einem Neubau mit 24 Wohnungen. Für den Abriss des Gebäudes hatte das Abrissunternehmen Robert Zeller GmbH fünf Monate kalkuliert. Zunächst werde der Bunker innen ausgehöhlt. Anschließend, so hatte Zeller bei einer Infoveranstaltung erklärt, würden Decken und Wände durch Lockerungssprengungen zum Einsturz gebracht. Über einen Zeitraum von zwei Wochen seien maximal drei Sprengungen täglich vorgesehen. Ein Hornsignal kündige diese an. Die Lärmbelastung sei nicht höher als bei jeder anderen Baustelle.

Abriss von Bunker in Frankfurt mit „höchster Schwierigkeitskategorie“

Den Bunkerabriss in der Freiligrathstraße zählt Zeller mit zur höchsten Schwierigkeitskategorie. Wegen beengter Platzverhältnisse könne kein schweres Gerät (Bagger) eingesetzt werden. Zudem gebe es nur eine Zufahrt zum Gelände.

Der Bürgerinitiative Glauburgbunker (BI) liefert der "Unfall" aber sicher neue Argumente. Das Abrissunternehmer Zeller wird demnächst auch den Bunker am Glauburgplatz abreißen. Die BI kritisiert, dass mehr Schutzmaßnahmen nötig sind. Vor allem die benachbarte Kita und Grundschule, so die Forderung, soll ausgelagert werden.

Von Matthias Bittner


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