Mäusekot an Geschirrhandtüchern

Hygienemängel in Frankfurter Lebensmittel-Betrieben: Kontrolleure kommen nicht hinterher

+
Ein Lebensmittelkontrolleur überprüft bei einer Betriebskontrolle die Temperatur von chinesischen Nudeln. In Frankfurt haben Kontrolleure in einigen Lebensmittel-Betrieben gravierende Mängel feststellen können.

Die Lebensmittelkontrollen in Frankfurt decken teils schockierende hygienische Zustände auf. Das Ordnungsamt kann jedoch nur die Hälfte der geforderten Überprüfungen leisten.

  • Erschreckende Zahlen zu Lebensmittelkontrollen in Frankfurt
  • Nicht einmal die Hälfte der vorgesehenen Erstkontrollen können durchgeführt werden
  • Die Folge sind teils katastrophale hygienische Zustände in Frankfurt

Frankfurt - Die Lebensmittelkontrolleure in Frankfurt legen beunruhigende Zahlen vor. Wie der Leitende Veterinärdirektor Detlef Thiele und die Chefin der Lebensmittelkontrolleure, Helma Meier-Hans, jetzt vor Stadtverordneten berichteten, schafft die Abteilung des Ordnungsamts nicht einmal die Hälfte der vorgesehenen Erstkontrollen. Grund ist auch die Personalknappheit.

In der Statistik der Kontrolleure muss man unterscheiden zwischen Erst- und Nachkontrollen. Letztere können anstehen, wenn ein Betrieb bei der ersten Kontrolle Mängel aufwies. Die Frankfurter Behörde, die über 16 Lebensmittelkontrolleure verfügt, kam im vergangenen Jahr auf 3104 Erstkontrollen. Gemessen an der Zahl von rund 8000 Betrieben, die in der Stadt Lebensmittel herstellen, verarbeiten oder verkaufen, ist das wenig.

So arbeiten die Kontrolleure mit einer Software, die eine Risikoanalyse für die einzelnen Betriebe vornimmt. Auf Grundlage einer vom Land erlassenen Vorlage ergibt sich daraus eine Zahl von geforderten Kontrollen. Sie liegt in Frankfurt bei 6536. Das Ordnungsamt erfüllt dieses Soll nur zu 47,5 Prozent.

Hygienemängel in Lebensmittel-Betrieben: Mäusekot an Geschirrhandtüchern entdeckt

Dabei machten Meier-Hans und Thiele beim Termin vor den Stadtverordneten deutlich, wie nötig die Kontrollen sind. Sie zeigten Fotos von einigen Missständen in Frankfurt. Zu sehen sind Geschirrhandtücher an der Theke, an denen Mäusekot hängt, Nagetiere in einer Küche und eine Katze, die sich ebenfalls zwischen den Töpfen herumtreibt. 132 Betriebe mussten im vergangenen Jahr nach Kontrollen zeitweise schließen. In diesem Jahr waren es bis zum 6. Februar bereits 24. Dass die Soll-Zahl der Überprüfungen nicht einmal ansatzweise erfüllt wird, hat laut Meier-Hans und Thiele mehrere Gründe. Zum einen seien der Abteilung die Nachkontrollen sehr wichtig. Allein 1711 Betriebe bekamen im vergangenen Jahr mehrfach Besuch von den Experten für Lebensmittelsicherheit.

Zum anderen habe die Abteilung immer wieder mit außergewöhnlichen Entwicklungen zu tun. So startete 2019 die Aktion "Topf Secret" der Initiative Foodwatch. Sie fordert Bürger auf, ihr Recht auf Auskunft über Kontrollergebnisse in einzelnen Betrieben wahrzunehmen. Dazu stellt Foodwatch im Internet die nötigen Formulare bereit. Das Ordnungsamt musste im vergangenen Jahr 650 Anfragen beantworten.

Kontrollen in Frankfurt: Probleme wegen Personalmangel

Zudem waren auch die Mitarbeiter von Helma Meier-Hans mit dem Skandal um die keimbelastete Wurst der Firma Wilke in Nordhessen befasst. Sie mussten innerhalb kürzester Zeit herausfinden, an welche Einrichtungen in Frankfurt Wilke Waren geliefert hatte, und dann Warnungen tätigen.

Vor allem aber fehlt es der Abteilung an Personal. Um die geforderte Zahl an Kontrollen zu leisten und nicht bei nachträglichen Überprüfungen zu sparen, wären zehn weitere Mitarbeiter nötig, sagte Meier-Hans. Das Problem: Selbst wenn ein solcher Zuwachs im städtischen Stellenplan beschlossen würde, könnte das Ordnungsamt die freien Posten gar nicht besetzen.

Ein massives Hygiene-Problem besteht auch in vielen Krankenhäusern.*

Meier-Hans berichtete von einem extremen Fachkräftemangel. Dass sich ausgebildete Lebensmittelkontrolleure für freie Stellen meldeten, komme einfach nicht vor. "Wir müssen alle unsere Mitarbeiter selbst ausbilden." Um zehn Kontrolleure zu schulen, hat ihre Abteilung aber nicht die Kapazitäten. Zumindest vier zusätzliche Stellen wären denkbar und wünschenswert. Diese zu schaffen, ist aber auch nicht einfach. Personaldezernent Stefan Majer (Grüne) wies auf die besondere Konstellation bei den Stellen hin.

So sind die Kontrolleure städtische Mitarbeiter und werden auch von der Kommune bezahlt. Da sie aber Landesaufgaben wahrnehmen, bekommt die Stadt für die Stelle eine Kostenerstattung vom Land, wie Ralph Rohr, Sprecher des Ordnungsamts, erklärte. Diese liege bei 1,5 Millionen Euro pro Jahr.

Die Stadt Frankfurt könnte darüber hinaus Stellen schaffen. Die Kosten dafür müssten aber nicht zwangsläufig von Wiesbaden bezahlt werden. 

Ein Ratgeber zur Hygiene in der eigenen Küche lesen Sie hier.*

Von Georg Leppert

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerkes

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare