Franz Joseph Strohmeier begeisterte mit  Kontrabass in Zierenberg

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Freund, Feind und Verhinderer eines selbstbestimmten Lebens: Der Kontrabass. Franz Joseph Strohmeier überzeugte am Samstagabend im Süskind-Klassiker von 1981.

Zierenberg. Drei Jahre hat er keine Freundin gehabt. Wie auch, bei seinem Arbeitspensum als Kontrabassist in einem Opernorchester?

Nicht nur, dass der Mittdreißiger als verbeamteter Musiker stets einsatzbereit sein, pausenlos üben und sein trauriges Dasein in der letzten Reihe des Orchestergrabens fristen muss, Frauen interessieren sich schlichtweg nicht für Männer an einem Instrument, das so plump und störrisch ist wie ein altes Weib, unhandlich noch dazu, einfach wenig elegant. Es ist ein leidenschaftlicher Kampf, den der Musiker mit seinem Instrument führt, das Freund, Feind und Verhinderer eines selbstbestimmten Lebens zugleich ist.

So leiden und lachen die Zuschauer am Samstagabend mit dem namenlosen Kontrabassisten und glühenden Wagner-Hasser, hintergründig-witzig und kernig-prägnant dargestellt von Franz Joseph Strohmeier vom Kasseler Staatstheater, der auf Einladung des Kulturforums in Patrick Süskinds Theaterklassiker von 1981 gegen Orchesterfrust, schlechte Interpreten und nutzlose Dirigenten kämpft.

Dafür verwandelt sich das alte Rathaus in eine schallisolierte Wohnung, die ein Überschreiten der Grenze zum Mezzoforte dennoch nicht standhält und Frau Niemeier von oben immer wieder zum genervten Klopfen hinreißt. Hier gibt sich der hoffnungslos neurotische Stubenhocker seinem Schicksal hin, während er auf die abendliche Rheingold-Festspielpremiere wartet, die sein Leben verändern könnte.

Denn er hat sich verliebt, in die junge Sängerin Sarah, deren Herz er am Abend für sich gewinnen will. Nur wenn sie auf der Bühne steht, bringt ihm seine Arbeit Freude, spielt er voller Inbrunst auf seinem Instrument, das er ansonsten für sein Unglück verantwortlich macht.

Eine Lebensbeichte eines frustrierten Einzelgängers, die erschüttern müsste, wenn sie nicht so zum Lachen wäre. Und dafür sorgt Franz Joseph Strohmeier, der den einaktigen Monolog derart packend und überzeugend gibt, dass man am Ende am liebsten gemeinsam mit ihm die Bühne verlassen und ihm dabei helfen möchte, seine Sarah zu erobern.

Von Sascha Hofmann

Quelle: HNA

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