Gerlint Böttcher spielte bei den Meisterkonzerten im Bad Zwestener Kurhaus

Franz Liszt wäre erblasst

Scheute sich nicht vor höchsten Schwierigkeiten: Gerlint Böttcher spielte in Bad Zwesten. Foto: privat

Bad Zwesten. Auf diesen Konzertabend durfte man gespannt sein. In einem knallroten, langen, paillettenbesetzten Kleid nahm Gerlint Böttcher im Kurhaus Bad Zwesten am Klavier Platz.

Ihre künstlerische Vita ließ einiges erwarten, denn dazu gehören solistische Auftritte mit namhaften Orchestern in Europa und den USA sowie im vergangenen Jahr eine Einladung zum ersten deutsch-russischen Piano-Art-Festival in Ryazan.

Virtuoser Start

Gerlint Böttcher legte mit virtuosen Stücken los, mit den drei Rhapsodien von Jan Vaclav Vorisek. Vorisek war ein böhmischer Komponisten, der im Todesjahr von Mozart geboren wurde (1791) und jung – mit 36 Jahren – starb. Kaum jemand kennt ihn heute noch, aber er schrieb interessante und schön empfundene Musik. Daher ist es verdienstvoll, solche Schätze zu heben.

Die Rhapsodien verlangen dem Pianisten alles an virtuosem Können ab, und die dritte – eine Art Tarantella – ist aberwitzig schwer, die linke Hand, die in der Klassik und der Romantik eher begleitende Funktionen hat, hat hier eine absolut gleichwertige Bedeutung. Es wäre interessant zu erfahren, ob Vorisek vielleicht Linkshänder war. Virtuos ging das Programm weiter, mit drei Etüden von Franz Liszt. Die zweite ist nach Paganini benannt, dem Teufelsgeiger, dem Liszt am Klavier Paroli bieten wollte.

Bei den Höchstschwierigkeiten, die sich Liszt hat einfallen lassen, drängt sich die Frage auf, ob Liszt vielleicht wollte, dass außer ihm selbst niemand diese Komposition spielen konnte. Gerlint Böttcher konnte es. Liszt wäre vor Neid erblasst.

Nach der Pause folgte ein etwas zusammengewürfelt wirkendes Programm. Mozart, Bach, Debussy und Prokofjew. Perlendes Klavierspiel bei den Variationen „Ah! Vous direz-je, maman“ von Mozart (das Thema ist bekannt aus „Morgen kommt der Weihnachtsmann“); tiefer Ernst bei zwei Bach-Kompositionen, dann das „Clair de lune“ von Debussy, sehr zart und mit wunderschönem Klangsinn interpretiert, und schließlich die Sonate Nr. 2 von Sergej Prokofjew. Böttcher bot eine überzeugende Interpretation.

Zwei Zugaben: eine Humoreske von Rodion Schtschedrin und ein Arrangement von „Guten Abend, gut’ Nacht“ (Percy Grainger). (nh)

Von Dr. Ulrich Skubella

Quelle: HNA

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