Landgericht: 30-Jährige war mit Messer auf ihre Betreuerin losgegangen

Frau muss in Psychiatrie

Kassel. Die Freiheitsstrafe von drei Jahren steht nur auf dem Papier, schwerer wiegt, dass die 30-jährige Angeklagte in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird. Sie hatte in einer Wohngruppe in Guxhagen eine Betreuerin mit dem Messer angegriffen. Wegen versuchtem Totschlag und gefährlicher Körperverletzung ist sie am Mittwoch von der 6. Kammer des Landgerichts verurteilt wurden.

„Es hätte anders ausgehen können“, sagte Richter Volker Mütze. Die 60-jährige Betreuerin hatte den vollkommen überraschenden Messerangriff abwehren können. Doch damit war die Auseinandersetzung nicht beendet, am Boden ging es weiter.

Zwei Bewohner der Einrichtung eilten der Betreuerin zu Hilfe und konnten die Angreiferin bändigen. „Das war Glück für beide“, so Mütze, sonst wäre die Betreuerin wohl nicht mehr am Leben. Sie trug eine Schnittwunde davon, die verheilte, doch die psychischen Folgen sind gravierend. Bisher konnte sie nicht an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, so sehr leidet sie unter den Ängsten, die sie seit jenem Vorfall verfolgen.

Ein Sachverständigengutachten hatte der Angeklagten eine instabile Persönlichkeitsstörung attestiert, außerdem eine leichte Intelligenzminderung. Das führe zu einer geringen Frustrationstoleranz und einer hohen Reizbarkeit. Laut Gutachten hat die 30-Jährige bisher 42 Klinikaufenthalte hinter sich, ohne Erfolg. Es sei offenbar bisher nicht möglich gewesen, effektiv auf die psychische Krankheit einzuwirken, stellte Richter Mütze fest. Wegen ihrer Erkrankung hätte sie dann auch nicht in der Guxhagener Wohngruppe untergebracht werden dürfen.

Bereits als Kind war sie auffällig geworden, in der Schule setzten sich die Probleme fort. Zunehmende Aggressionen richteten sich gegen sie selbst, sie begann, sich zu verletzten. In der Wohngruppe hatte es vor der Tat ein Gespräch mit Betreuern gegeben, weil sich die 30-Jährige in einer geschützten Werkstatt überfordert gefühlt hatte und deshalb nicht mehr zur Arbeit gehen wollte. Die Betreuer überzeugten sie davon, weiter dorthin zu gehen.

Am Tag, als die Tat passierte, war sie nach der Arbeit ins Schwimmbad gegangen, hatte dort ein paar Bier getrunken. In der Küche der Wohngruppe war sie dann auf die Betreuerin, die an dem Gespräch über die Probleme in der Werkstatt teilgenommen hatte, losgegangen. Sie habe ihr, sagte sie vor Gericht „einen Denkzettel“ verabreichen, sie jedoch nicht töten wollen. „Es tut mir leid, das war nicht geplant“, beteuerte sie.

Schutz der Allgemeinheit

Das Gericht gestand ihr zu, dass die Messerattacke spontan war und rechnete ihr an, dass sie die Tat gestanden hat. Mit Blick auf ihre psychische Erkrankung müsse die Allgemeinheit vor weiteren Vorfällen geschützt werden, deshalb gebe es zur Unterbringung keine Alternative.

Sofort nach der Verhandlung wurde die 30-Jährige eingewiesen. Ihr Klinikaufenthalt wird auf die Strafe angerechnet und jährlich wird geprüft, wie lange sie stationär behandelt werden muss.

Von Ralf Pasch

Quelle: HNA

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