Sozialdemokratinnen entwickeln Ideen für Leben auf dem Land mit weniger Menschen

Frau soll mitmischen

Frauen unter sich: In der Melsunger Stadthalle traf sich die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) im Bezirk Hessen-Nord. Die Konferenz wählte den alten Vorstand wieder neu: (von links hinten) Schriftführerin bleibt Beate Roglin (Bebra), Vorsitzende Monika Vaupel (Melsungen) und die stellvertretende Vorsitzende Karin Dietrich (Vellmar). Vorn im Bild Referentin Andrea Nagel, Leiterin der AG Dorf- und Regionalentwicklung im Schwalm-Eder-Kreis. Foto: Brückmann

Schwalm-Eder. Andrea Nagel ist in vielen Sitzungen nicht nur die einzige Frau, sondern auch die jüngste. Das ist in ihren Augen ein Beispiel für die Situation im Schwalm-Eder-Kreis: Die Frauen mischen sich zu wenig ein und an jungen Menschen fehlt es. Gemeinsam mit Andrea Nagel, die Leiterin des AG Dorf- und Regionalentwicklung beim Landkreis ist, suchten SPD-Frauen aus dem Bezirk Hessen Nord nach Gestaltungsideen für eine älter werdende Gesellschaft und für Dörfer mit immer weniger Bewohnern.

Schon der Blick in die Versammlung mache das Problem deutlich, meinte Helga Heinemann aus dem Landkreis Kassel, selbst schon weißhaarig. Auch im kleinen Saal der Melsunger Stadthalle zählte die Referentin am Samstagmorgen mit Mitte vierzig zu den jüngeren.

Umso wichtiger sei das Miteinander von Jungen und Alten, rief die Bezirksvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen, Monika Vaupel, die Menschen in den vom Aussterben bedrohten Dörfern auf, zusammenzurücken. Eine Gemeinschaft wie in einem Mehrgenerationenhaus nehme die Angst: den Jungen davor, den Alltag mit seinen vielen Anforderungen nicht zu schaffen, den Alten davor , ohne soziale Kontakte zu vereinsamen.

Was möglich ist

Am 22. November könne frau auf dem Markt der Möglichkeiten in Borken einige Beispiele kennen lernen, wie das Leben auf dem Land mit weniger und älteren Menschen lebenswert gestaltet werden kann, sagte Andrea Nagel. Sie nannte gelungene Beispiele aus dem Schwalm-Eder-Kreis.

Dorfladen: In Ermetheis betreibt die Dorfgemeinschaft seit zehn Jahren in Eigeninitiative einen Dorfladen. Ehrenamtliche und monatliche Abonnements sichern in dem Niedensteiner Stadtteil die Einkaufsmöglichkeit.

Bürgerbus: Durch das ehrenamtliche Engagement von gut einem halben Dutzend Männer aus Körle fährt dort seit Oktober 2000 ein Bürgerbus dreimal in der Woche. Es gebe viele Bürgerbusmodelle, aber dieses in Körle funktioniere, lobte Andrea Nagel.

Mehrgenerationenhaus: Mit einem Café, Platz für Sport, Ausstellungen oder Kursen, einem Trauzimmer und einem Laden für Gebrauchtwaren gebe es in Knüllwald-Remsfeld einen Treffpunkt der Generationen.

Vereinsinitiative: In einem „massiven Kraftakt“ habe der Theaterverein in Borken-Großenenglis das ehemalige Raiffeisengebäude gekauft. Die Bunte Bühne nutze das Haus nicht nur für Proben und als Lager für den eigenen Bedarf, sondern stelle das Haus auch anderen zur Verfügung.

Leerstand: In Niederurff, Stadtteil von Bad Zwesten, gebe es kein leer stehendes Gebäude, berichtete die Expertin für Dorferneuerung. Sobald sich abzeichne, dass ein Haus bald nicht mehr bewohnt werde, suchten die Dorfbewohner gemeinsam nach einer neuen Nutzung.

Andrea Nagel: „Es geht nicht darum, den Investor für das Gewerbegebiet zu finden. Da kommt sowieso niemand mehr.“ (and)

Quelle: HNA

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