Urteil nach tödlichem Autounfall

Nach Autounfall: Gericht verurteilte 23-Jährige zu einer Geldstrafe

Treysa. Weil sie einen Unfall verursacht hatte, bei dem eine andere Verkehrsteilnehmerin ums Leben gekommen war, musste sich eine 23-Jährige aus dem Schwalm-Eder-Kreis vor dem Strafrichter am Amtsgericht in Treysa verantworten.

Der Unfall ereignete sich Ende August vergangenen Jahres auf der Landstraße zwischen Ober- und Niedergrenzebach. Die Angeklagte fuhr in Richtung Obergrenzebach, als sie nach eigenen Worten ausscherte, um zu prüfen, ob sie einen vor ihr fahrenden Kleintransporter mit Anhänger überholen könne.

Dabei übersah sie das entgegenkommende Fahrzeug einer 57-jährigen Neukirchenerin. Es kam zum Zusammenstoß der Fahrzeuge. Die Neukirchenerin erlag noch am Unfallort ihren schweren Verletzungen. Sie war nicht angeschnallt gewesen und wurde durch den Aufprall aus dem Auto geschleudert. Die Angeklagte trug unter anderem eine Knieverletzung und eine Schnittwunde am Arm davon.

Wegen fahrlässiger Tötung verurteilte das Gericht die nicht vorbestrafte und bis dahin im Verkehr unauffällige 23-jährige Auszubildende zu einer Geldstrafe von 800 Euro. Nach achtmonatigem Entzug des Führerscheins war ihr diese bereits wieder ausgehändigt worden.

Unter Tränen sagte die Angeklagte, es täte ihr sehr leid, was passiert sei. Sie habe noch nicht überholt. Sie sei etwas rübergefahren, um zu sehen, ob sie freie Sicht habe. Da habe es bereits geknallt. Die 23-Jährige, die sich nach eigener Aussage weiterhin in therapeutischer Behandlung befindet, brach im weiteren Verlauf der Verhandlung erneut in Tränen aus.

Laut Aussage der beiden Zeugen, die im Lastkraftwagen der Angeklagten voraus gefahren waren, war ihnen die 23-Jährige vor dem Unfall nicht aufgefallen. Der Fahrer gab an, 60 bis 70 Kilometer gefahren zu sein. Das Auto der Verstorbenen habe er erst gesehen, als sie aus dem Schatten einiger Bäume in etwa 200 Meter Entfernung herausgefahren sei. Nach dem Unfall seien er und sein Kollege getrennt zu den verunglückten Fahrzeugen.

Fast Frontalzusammenstoß

Nach dem Bericht eines Sachverständigen, der sowohl die Unfallstelle als auch die beiden verunglückten Fahrzeuge untersucht hatte, gelangte das Gericht zur Auffassung, die Angeklagte hätte an der Unfallstelle keinen Überholversuch starten dürfen. Dass die Verstorbene nicht angeschnallt gewesen sei, werde berücksichtigt.

Auto nicht zu sehen

Nach Angaben des Sachverständigen waren die Fahrzeuge der Angeklagten und der Verstorbenen mit 40 prozentiger Überdeckung kollidiert -„ein beinahe Frontalzusammenstoß“. Technische Mängel an den Autos schließe er aus. Er schätze die Geschwindigkeit der Angeklagten auf 60 bis 70, die der Verstorbenen auf 70 bis 75 Kilometer pro Stunde. Durch den Gurt verursachte Belastungsspuren der Angeklagten wiesen daraufhin, dass sie angeschnallt gewesen sei.

Aufgrund der Straßenführung gehe er davon aus, dass das Fahrzeug der Angeklagten für die Verstorbene nicht sichtbar gewesen sei.

Von Kerstin Heist

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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