Die Frauen und der Tod

Der Beruf des Bestatters ist längst kein reiner Männerberuf mehr

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Macht sich mit ihrem eigenen Institut selbstständig: Katja Fenge fand über ihren Mann zum Beruf des Bestatters.

Felsberg/Schwalmstadt. Ab und zu braucht Katja Fenge doch noch Hilfe von ihrem Mann: "Einen Sarg kann ich nicht allein tragen", sagt sie. Doch ansonsten steht die 44-jährige Felsbergerin mit ihrem Bestattungsinstitut künftig auf eigenen Füßen.

Nachdem sie 16 Jahre lang in der Schreinerei ihres Mannes mitgearbeitet hat, die auch Bestattungen anbietet, macht sich Katja Fenge nun selbstständig. "Ich sehe es als Berufung, dem Toten eine würdevolle Bestattung zu geben und den Hinterbliebenen zur Seite zu stehen", sagt sie. Allerdings möchte sie dieser Berufung auch künftig nur in Teilzeit nachgehen. Denn nach wie vor arbeitet sie als Erzieherin in einem Kindergarten. Ein Widerspruch hier das tobende Leben, dort die Konfrontation mit dem Tod ist das für sie nicht. Einfühlungsvermögen ist in beiden Berufen gefragt.

"Ich glaube aber nicht, dass Frauen generell besser mit Trauernden umgehen können als Männer", sagt Fenge. Doch die Tatsache, dass sich der Beruf des Bestatters vom Schreinerhandwerk losgelöst hat, habe sicherlich dazu beigetragen, dass sich heute mehr Frauen für den Beruf interessieren als früher.

Das sieht Heike Emmeluth-Diehl ähnlich. Die 50-Jährige arbeitet seit 30 Jahren als Bestatterin in Schwalmstadt. "Ein Handwerk ist der Beruf des Bestatters heute nicht mehr", sagt sie. "Früher hat der Bestatter den Sarg noch selbst gezimmert, heute bekommt er ihn geliefert." Bestattung ist inzwischen ein Dienstleistungsgewerbe: Das Angebot reicht reicht heute vom Drucken der Trauerkarten über die Dekoration der Friedhofskapelle bis zur Abmeldung des Toten bei der Krankenkasse. Und natürlich gehören auch intensive Gespräche mit den Angehörigen dazu. "Die Menschen sind oft sehr dankbar, nehmen mich sogar in den Arm", sagt Emmeluth-Diehl. "Das gibt mir viel, das macht diesen Beruf aus."

Sie bestätigt, dass das Bestattungswesen früher eine Männerdomäne war: "Beim Einbetten waren damals nur selten Frauen dabei." Die Menschen jedoch hätten deshalb oft erstaunt reagiert, wenn sie von ihrem Beruf erzählte.

Doch es war schon früh klar, dass Heike Emmeluth-Diehl den Betrieb ihres Vaters übernehmen würde. "Er hat mich behutsam an die Berührung mit den Toten herangeführt", sagt sie. "Es war für mich immer selbstverständlich, dass Menschen sterben.

Auch wenn sie jeden Tag mit dem Tod zu tun hat ab und zu braucht Emmeluth-Diehl Abstand zu diesem Thema. "Auf einer Feier, wo ich nicht alle kenne, stelle ich mich zum Beispiel nicht unbedingt als Bestatterin vor", sagt sie. "Sonst wollen plötzlich alle über den Tod reden."

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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