Jubiläum

Diese Gespräche sollen Mut machen: Frauenselbsthilfegruppe nach Krebs wird 25

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Leiten die Gruppe Frauenselbsthilfe nach Krebs: Gisela Tirpitz und Marlies Dingel.

Homberg. "Bitte lass mich gesund werden, damit ich noch erleben kann, wie mein Sohn groß wird." Das war Gisela Tirpitz einziger Gedanke als sie von ihrer Krankheit erfuhr – Brustkrebs. Zehn Jahre ist das jetzt her.

Sie, Marlies Dingel und all die anderen Frauen der Frauenselbsthilfe nach Krebs sind starke Frauen. Sie haben gegen den Krebs gekämpft. Und gelten inzwischen als gesund. Um mit der schwierigen Diagnose umzugehen, haben ihnen auch die Gespräche in der Gruppe sehr geholfen, die am Freitag, 16. Februar, ihr 25-jähriges Bestehen in Homberg feiert.

„Wir müssen mit dem Wissen leben, dass es immer wieder passieren kann“, sagt Marlies Dingel, die die Gesprächsrunden mit Gisela Tirpitz leitet. Der Krebs kann immer wieder kommen – und das, obwohl Marlies Dingel inzwischen bereits seit 20 Jahren wieder gesund ist. Die Ungewissheit nach einer Nachsorgeuntersuchung sei das Schlimmste, erzählen die beiden Frauen. Das Warten auf das Ergebnis, die Angst, dass da doch wieder etwas sein könnte.

Diesen Ängsten will die Selbsthilfegruppe begegnen. Sie fangen Betroffene nach dem Schock der Diagnose auf, begleiten während der Behandlung und informieren über den Umgang mit der Krebserkrankung. Denn: „Wir alle hatten schon Krebs“, sagt Dingel. Zwei Mal im Monat treffen sich Frauen aus dem ganzen Schwalm-Eder-Kreis in Homberg – alles völlig kostenlos und unverbindlich. Die Gruppe ist nicht nur für Frauen und Betroffene gedacht. Zu den Gesprächen seien auch Männer und Angehörige zugelassen, sagt Dingel.

Dennoch sei es schwierig, Menschen davon zu überzeugen, dass ihnen Gespräche helfen könnten, sagt Tirpitz. „Viele wollen damit eher nichts zu tun haben. Die schieben das Thema von sich“, erzählt sie. Gerade jüngere Menschen könnten sich nur schwer eingestehen, dass sie Hilfe bräuchten. „Da ist noch so viel um sie herum, Kinder, das Berufsleben, eine Existenz, die gesichert werden muss“, sagt Dingel. Der Fokus liege dann nicht auf der Selbsthilfe. Doch gerade die sei bei solch einer Erkrankung wichtig: „Das ist eine Phase, durch die man durch muss. Die ganzen Probleme stehen noch vor einem“, sagt Dingel.

Austausch soll Mut machen

In der Gruppe gebe es viel Austausch, der Mut machen soll. Die Teilnehmer erzählen von sich und ihren Sorgen. Manchmal reiche es auch, nur zuzuhören, sagt Dingel. Und „wenn die Tränen fließen, dann fließen sie eben“. Genauso wichtig wie das Zuhören und Helfen, sei aber auch das Abgrenzen, erzählen die Gruppenleiterinnen. „Man kann mitfühlen. Aber nicht mit jedem Menschen mitleiden“, sagen sie. „Das hält man sonst nicht durch.“ Am Ende zähle nämlich eines: „Die Krankheit gehört zu mir, aber sie darf mich nicht dominieren“, sagt Dingel. Es bis an diesen Punkt geschafft zu haben, lässt vielleicht auch die Angst vor der nächsten Untersuchung ein bisschen kleiner werden.

Angebote auch für junge Menschen 

Die Frauenselbsthilfe (FSH) wurde vor 40 Jahren in Mannheim gegründet. Ziel war es auch schon damals, Personen zu helfen, die sich allein gelassen fühlen. Seit Jahren ist die FSH auch mit dem deutschen Krebsverein verbunden und auch mit der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KISS) wird mindestens einmal jährlich zusammengearbeitet, so zum Beispiel beim Aktionsselbsthilfetag. Damit besonders junge Frauen und Männer auf die FSH aufmerksam werden und die Möglichkeit haben sich auszutauschen, gibt es neben den Treffen und Vorträgen von Ärzten auch die kostenlose FSH-Krebs-App, die im Internet heruntergeladen werden kann sowie das Projekt Netzwerk statt Krebs.

Infos gibt es im Internet bei der Frauenselbsthilfegruppe Homberg und dem Netzwerk statt Krebs.

Quelle: HNA

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