Am Melsunger Rathaus wurde eine Flagge zum Aktionstag für Frauenrechte gehisst

Frei leben ohne Gewalt

Setzten ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen: (von links) Reinhild Vogt, Birgit Hering, Markus Boucsein, Sabine Stagneth, Heike Wüst, Trudi Michelsen und Michaela Laudenbach. Foto: Schippers

Melsungen. Hoch oben am Turm des Rathauses flatterte am Montag eine Flagge, die ein Zeichen setzen soll: Auch in Melsungen kämpft man gegen Diskriminierung und Gewalt gegenüber Frauen.

Seit 1981 ist der 25. November ein internationaler Gedenk- und Aktionstag, an dem symbolisch zu einem freien Leben ohne Gewalt aufgerufen wird. Im Schwalm-Eder-Kreis wurden deshalb auch in Schwalmstadt, Fritzlar, Homberg, Gudensberg und Wabern die blauen Fahnen gehisst. Auch hier gibt es häusliche Gewalt.

Bis Ende Oktober suchten 51 Frauen und 58 Kinder Schutz im Frauenhaus, berichtete die Frauenbeauftragte des Landkreises Trudi Michelsen. „In 44 Fällen wurde Unterstützung angeboten und in 107 Fällen wurden Beratungen durchgeführt.“

Tabuthema auf dem Land

Die Scham der Opfer allerdings sei riesig und die Dunkelziffer entsprechend hoch. „Wir wollen deutlich machen, dass Gewalt gegen Frauen ein weit verbreitetes Problem ist“, sagte Michelsen. Es sei oft schwer, die Opfer zu erreichen. „Besonders in den nach außen heilen Familien in ländlichen Regionen. Da ist das oft ein Tabuthema.“ Gemeinsam mit den Mitgliedern des Vereins Frauennetzwerk forderte Michelsen die Menschen auf, Nein zu Gewalt gegen Frauen zu sagen.

Immer wieder macht Michelsen die Erfahrung, dass viele Frauen nicht wissen, an wen sie sich wenden können, wenn sie Hilfe brauchen. Die Flaggen-Aktion ist eine der Initiativen, die Öffentlichkeit schaffen und so dazu beitragen soll, die Rechte von Frauen und Mädchen zu stärken. Dabei werden Themen wie häusliche Gewalt, Vergewaltigung, Zwangsprostitution, sexueller Missbrauch und weibliche Armut in den Fokus gerückt. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf sexualisierter Gewalt, die oftmals ungesühnt bleibt.

Allein in Deutschland fänden jährlich 160 000 Vergewaltigungen oder andere schwere Delikte gegen die sexuelle Selbstbestimmung statt, sagte Michelsen. „Aber die Wahrscheinlichkeit, dass ein Täter bestraft wird, liegt bei unter einem Prozent.“ Kein anderes Verbrechen werde in Deutschland weniger geahndet und bestraft als Vergewaltigung, nicht zuletzt, weil nur etwa fünf Prozent der Opfer die Tat anzeigten. Um die Spirale aus Gewalt und Scham zu durchbrechen, appellierte Michelsen an die Menschen: „Hinsehen, erkennen, helfen – wir alle sind dabei gefragt“. • Kontakt: AWO Frauenhaus Schwalm-Eder-Kreis, Tel. 05681/6170; Verein Frauennetzwerk, Sabine Stagneth, Tel. 05661/50132

Von Nicole Schippers

Quelle: HNA

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