Im Gedenken an die Bücherverbrennung Lesung mit Musik in der Pfarrscheune

Freiheit ging im Feuer auf

Worte gegen die Bücherverbrennung: Brigitte Meyer-Christ aus Rotenburg.

Wernswig. Das 75. Jahr nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs ist Anlass, den Verbrechen der Nazis zu gedenken: Die Bücherverbrennung und die Emigration während des Nationalsozialismus waren Inhalt für eine Leseung in der alten Pfarrscheune.

Dort lasen Brigitte Meyer-Christ aus Rotenburg und Bernd Kaun vom Kabarett Herrenzimmer aus Baunatal Texte von und über Autoren, deren Bücher verbrannt wurden und von solchen, die die Bücherverbrennung in ihren Texten thematisierten.

Musik mit Texten des selben Inhaltes präsentierten die beiden Musiker Renate und Roland Häusler aus Guxhagen. Werke von Franz Kafka, Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Irmgard Keun, Heinrich Heine fielen zwischen dem 10. Mai und dem 21. Juni 1933 den Flammen zum Opfer. Die nationalsozialistische Deutsche Studentenschaft organisierte mit der Unterstützung des Reichsministeriums vielerorts öffentliche Verbrennungen von deutscher Literatur, die sie selbst als „undeutsch“ bezeichneten.

Es waren Werke, die nicht zum Untertanengeist, zur Fügsamkeit des Volkes und dem Gebot der Ruhe als Bürgerpflicht im Dritten Reich passten. Freiheitswille war unerwünscht bei den Nationalsozialisten, und alles und jeder, der einen solchen Freiheitswillen öffentlich hätte anstoßen können, musste verschwinden.

Lang war die Schwarze Liste von Autoren und ihrer Werke, die es zu vernichten gab. Die Schriftsteller, die die Möglichkeit dazu hatten und nicht bereits verhaftet oder gar ermordet wurden, brachten sich durch Emigration in Sicherheit.

Doch ihre Arbeit war dadurch in den meisten Fällen beendet. Wer von der deutschen Sprache lebte, hatte im Ausland nicht viele Aussichten auf ein gutes Leben. Die Flüchtlinge bekamen keine Arbeit, wurden gemieden, nicht selten begingen die geflüchteten Autoren Selbstmord. Von all diesen Begebenheiten berichteten die literarischen Texte und die Erklärungen, die die Rezitatoren in Wernswig vortrugen.

Vor diesem Hintergrund hörte das Publikum die gesungenen Texte der Lieder, wie „Das gibt´s nur einmal“ oder „Irgendwo auf der Welt“ mit der Musik von Werner Richard Heymann und den Texten von Robert Gilbert, mit ganz anderen Ohren.

„Es sind Lieder, die man kennt und schon oft gehört hat, aber die eine ganz andere Bedeutung bekommen, wenn sie in Verbindung mit den rezitierten Texten gebracht werden“, sagte Delf Schnappauf, Hausherr der Pfarrscheune und Mitglied der Landrosinen.

Von Christl Eberlein

Quelle: HNA

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