Menschen mit psychischen Problemen, Angehörige und Experten im Gespräch

Freiraum für Gespräche

Laden ein zum Gesprächskreis: (von links) Julia Hrycak, Anne-Kathrin Kleiner und Karl-Otto Cyriax vom Psychosozialen Zentrum. Foto: Yüce

Homberg. Im Freiraum treffen die Welten aufeinander: Menschen mit psychischen Problemen, deren Angehörige und auch Experten treffen sich regelmäßig unter dem Dach des Psychosozialen Zentrums Schwalm-Eder Nord, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Und das in einer ganz lockeren, zwanglosen und gemütlichen Atmosphäre.

„Es geht dabei um den Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe“, erklärt Sozialpädagogin Julia Hrycak. „Und darum, die Perspektive zu wechseln“, fügt sie hinzu. So werde diesen drei Personengruppen die Möglichkeit gegeben, voneinander zu lernen. Deshalb nennen Hrycak und ihre Kollegin, die Erziehungswissenschaftlerin Anne-Kathrin Kleiner, diese gemeinsamen Abende, die jeweils zwei Stunden dauern, Trialog. „Ein Ort des gemeinsamen Erzählens und der gleichberechtigten Begegnung als Experten“, so Hrycak.

Anonymität ist wichtig

Wichtig sei, dass die Treffen anonym seien. „Es gibt keine Vorstellungsrunde“, erklärt Kleiner. „Niemand muss seinen Namen nennen oder sagen, warum er zum Treffen kommt.“ Wenn das jemand sagen wolle, dann ganz freiwillig. „Wir wollen niemanden bedrängen.“ Unterstützt werden die Frauen bei den Treffen vom Facharzt Dr. Dr. Ditmar Schott (Vitos).

Oft gehe es in den Gesprächsrunden ganz privat zu. Weil es eben auch persönliche Dinge seien, die zur Sprache kommen.

Die Themen setzen die Teilnehmer. Neulich sei es um das Wort Vertrauen gegangen, erinnert sich Kleiner. „Jemand sagt, worüber er reden möchte und auch, was ihn dazu bewegt.“ Jeder könne so viel erzählen, wie er wolle. „Wir bremsen niemanden aus.“ Doch sollten keine Monologe gehalten werden, das ist eine der fünf Regeln (siehe weiterer Artikel), an die es sich zu halten gilt. „Es geht darum, miteinander zu reden“, so Kleiner. „Es können auch Fragen gestellt werden, die man sonst nicht stellen kann.“ Etwa von Angehörigen an andere Menschen mit psychischen Erkrankungen. Dadurch falle oft das Verstehen des Anderen leichter. Und: Mancher Teilnehmer höre auch einfach nur zu. „Das ist auch möglich.“

Gelacht und geweint

Nicht alle Gespräche seien problembehaftet. „Es geht nicht nur um Elend und Leid. Wir haben schon miteinander gelacht, aber auch geweint“, sagt Hrycak. Gut angenommen werden die Abende in diesem Freiraum der Psychosozialen Zentrums. Bis zu 20 Personen kommen zu den Abenden. „Viele der Betroffenen finden es gut, dass es eine Abendveranstaltung ist“, so Hrycak. „Manche haben schon seit mehr als einem Jahr abends nichts mehr unternommen, und sie haben so die Möglichkeit auch mal raus zu kommen, mit anderen ins Gespräch zu kommen“, fügt sie hinzu.

Zudem sei das Angebot für die Teilnehmer kostenlos. Anmelden müsse man sich nicht. Hrycak: „Wir freuen uns auf jeden, der kommt.“

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Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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