Seit zehn Monaten an Schule für geistig behinderte Kinder und Jugendliche

Vom Plan B zum Traumjob: Jolina Schröder aus Fritzlar absolviert FSJ an Schule am Dom

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Macht seit zehn Monaten ihr Freies Soziales Jahr (FSJ) in der Schule am Dom in Fritzlar: Jolina Schröder (19) beim Basteln mit den Schülerinnen Alexandra (7, links) und Lieselotte (9).

Fritzlar. Eigentlich wollte Jolina Schröder studieren. Irgendwas mit Medien oder Lehramt. Einen Traumberuf hatte die Fritzlarerin noch nicht, als sie vergangenes Jahr ihr Abitur machte.

Heute ist das anders: Seit zehn Monaten macht sie ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Schule am Dom, einer Schule für geistig behinderte Kinder und Jugendliche. „Ich will nichts anderes mehr machen“, sagt Jolina jetzt.

Zu Fuß holt Jolina jeden Morgen ihr Pflegekind Julia (Name von der Redaktion geändert) von zu Hause ab. Julia ist zehn Jahre alt und sitzt seit sie denken kann im Rollstuhl. Nächstes Jahr wird sie die Mittelstufe an der Schule am Dom besuchen – und auch hier nicht ohne zusätzliche Unterstützung zurechtkommen. „Sie würde morgens zum Beispiel nicht ihren Klassenraum finden“, sagt Jolina Schröder. Die FSJ-lerin ist Julias rechte Hand – und begleitet sie durch den ganzen Tag.

Freiwilliges Soziales Jahr verlängert

Der fängt um 8 Uhr mit dem Morgenkreis in der Schule an und endet um 16.15 Uhr, wenn Jolina ihr Pflegekind zurück zu den Eltern bringt. In dieser Zeit begleitet sie die Zehnjährige in den Mathe- und Deutschunterricht, geht mit ihr zum Mittagessen, in die Bastelstunde und zur Therapie. Zweimal am Tag muss Julia gewickelt werden. „Die Lehrer können das einfach nicht leisten“, sagt Jolina, die ihr FSJ bereits um zwei Monate verlängert hat.

Dass die Arbeit in der Schule am Dom genau das Richtige für sie ist, hat die 19-Jährige allerdings schon nach wenigen Tagen gemerkt. Man werde sofort angenommen, erzählt Jolina, die regelmäßig an Teamsitzungen teilnimmt und in Entscheidungen einbezogen wird.

Auch sei der Umgang der Schüler untereinander anders als an einer normalen Regelschule: „Es gibt hier kein Mobbing, niemand wird ausgegrenzt und es wird keiner gefragt, warum er im Rollstuhl sitzt.“ Gleichwohl sei der Job auch eine Herausforderung. Nicht nur physisch, wenn es mal stressig wird, sondern eben auch psychisch. „Schlimme Erkrankungen oder Diagnosen gehen einem schon sehr nah“, sagt Jolina, die schnell begriffen hat, welche Verantwortung tagtäglich auf ihr lastet. Eine Verantwortung, die Jolina erwachsener gemacht hat. „Man entwickelt ein ganz anderes Bewusstsein.

Man ist viel toleranter und denkt mehr darüber nach, warum jemand wie ist.“ In vier Monaten wird Jolina ihr FSJ an der Sonderschule in Fritzlar beendet haben. Wenn alles klappt, fängt die 19-Jährige im Oktober ein Studium in Gießen an. „Förderschullehramt“, sagt sie entschlossen.

Freiwilliges Soziales Jahr - das sind die Voraussetzungen

Ein Freiwilliges Soziales Jahr, kurz: FSJ, können in Deutschland Jugendliche und junge Erwachsene absolvieren, die die Vollzeitschulpflicht erfüllt und das 27. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Klassische Einsatzstellen für ein FSJ sind soziale Einrichtungen wie eine Kindertagesstätte, eine Altenpflegeeinrichtung oder ein Behindertenheim. Ferner lässt sich ein FSJ auch in einer kulturellen Einrichtung, einer Sporteinrichtung, einem Verein oder einer politischen Einrichtung wie in einem Bürgerbüro oder einer Menschenrechtsorganisation absolvieren. Die Schule am Dom in Fritzlar bietet jedes Jahr etwa zwölf Jugendlichen die Möglichkeit, ein FSJ zu machen. Interessierte können sich entweder direkt bei der Schule am Dom unter Tel. 0 56 61/90 91 01 melden oder die Partnerorganisation Volunta unter Tel. 06 11/95 24 90 00 kontaktieren. 

Quelle: HNA

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