Freundeskreis Fritzlar: Selbsthilfegruppe gibt es seit 30 Jahren

Fritzlar. Meist geht es über Jahre, die Sucht wird lange verheimlicht. Selbst nahe Angehörige wissen nichts oder wollen es nicht sehen: den Alkoholmissbrauch, die Drogensucht, die Abhängigkeit von Medikamenten, den Zwang zum Spielen.

Probleme werden entschuldigt, Fragen bleiben unbeantwortet, aber irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem keine Ausflüchte mehr ziehen. „Dann hilft es nur, die eigene Sucht oder die des Angehörigen als solche zu erkennen und sie als Krankheit zu akzeptieren“, sagt Eberhard Schulze, Vorsitzender des Freundeskreises Fritzlar. Das sei ein schwerer Schritt, der aber wichtig sei, um aus dem Teufelskreis der Sucht herauszufinden.

Hilfe für Suchtkranke und deren Angehörige (die häufig mindestens ebenso leiden und auf der Strecke bleiben) bietet in Fritzlar der Verein Freundeskreis, eine Selbsthilfegruppe, die vor 30 Jahren von Betroffenen ins Leben gerufen wurde und der heute 80 Mitglieder angehören.

„Wir wissen, wovon wir sprechen“, sagt Birgit Schmidt. Sie ist ebenfalls als Angehörige eines Suchtkranken zum Freundeskreis gekommen, hat die Krisen, die Verzweiflung selbst erlebt. Sie weiß, wie wichtig das Gespräch mit jemanden ist, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Genau hier setzt die Gruppe an.

„In unserer Gruppe kann man sicher sein: Der andere weiß, um was es geht“, sagt sie. Man führe ehrliche Gespräche, verpflichte sich zum Schweigen gegenüber Außenstehenden, könne über alles reden - außer über Politik.

Es geht den Vereinsmitgliedern, die selbst Gruppen leiten, auch darum, das Selbstbewusstsein und die Selbstachtung der Suchtkranken zu stärken. Dabei sind Alter und Geschlecht, Bildungsgrad und herkunft völlig nebensächlich. In den Gruppen des Freundeskreises sind Männer und Frauen zwischen 19 und 62 Jahren aus der gesamten Region.

Seit Oktober 1989 bereits ist ein kleines Haus in der Fritzlarer Rosengasse das Domizil des Freundeskreises. Die Stadt Fritzlar hat es dem Verein vermietet. Dort treffen sich die Mitglieder, dort werden die verschiedenen Gruppen angeboten.

Leiterin der Info-Gruppe ist Birgit Schmidt. Die Gruppe trifft sich donnerstags von 19 bis 21 Uhr in der Rosengasse 13. Den Erstkontakt stellen Carmen und Michael Pippert her unter Tel. 05603/5703. In der Info-Gruppe geht es um Möglichkeiten der Hilfe, es soll mehr Stabilität hergestellt werden. „Betroffene sollen erfahren, dass sie nicht allein sind, dass es andere gibt, die wissen was man durchmacht“, sagt Schmidt.

Wichtig für viele ist die Führerschein-Gruppe, ebenfalls donnerstags von 19 bis 21 Uhr (Erstkontakt: Horst Otschenaschek, Tel. 06693/8216, Eberhard Schulze, Tel. 06693/1233). Dort treffen sich alkoholauffällige Kraftfahrer, bereiten sich etwa auf die medizinisch-psychologische Prüfung (MPU) vor, um ihren Führerschein zurück zu bekommen. Die Führerscheinstelle des Kreises empfehle Betroffenen den Besuch der Gruppe, sagt Eberhard Schulze. „Man sollte das als Chance, nicht als Strafe sehen“, betont er. Und das mit der MPU klappe auch nur dann, wenn man mit sich selbst im Reinen sei.

Daneben gibt es immer montags von 20 bis 22 Uhr verschiedene Gruppenangebote: für Angehörige, zu Themen, zum Spielen oder Videoschauen. jeden 2. Montag im Monat trifft sich die Frauengruppe.

Quelle: HNA

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