Nach Sendung "Aktenzeichen XY"

Friedberger Mordfall von 1988: Konkreter Hinweis gibt Ermittlern Hoffnung

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Szene aus der TV-Sendung "Aktenzeichen XY".

Nun ist es doch wieder ein Hinweis aus Polen, der den Ermittlern Hoffnung gibt. Zumindest ist es laut Staatsanwalt Rouven Spieler "der eine konkrete Hinweis" zum Fall der 1988 nahe Rosbach gefundenen Frauenleiche. Spielers Kollege Thomas Hauburger und der Hauptkommissar Ralf Zentgraf baten am Mittwoch bei "Aktenzeichen XY… ungelöst" um Hinweise. Danach liefen die Telefone heiß.

Friedberg - Die Waldarbeiter fahren über den verschneiten Weg, sie sollen herausfinden, warum es dort nahe der A 5 bei Rosbach so übel riecht. Sie steigen aus, gehen auf die Suche. Einer von ihnen entdeckt den Grund für den Gestank: Wie fnp.de* berichtet, wurde dort ein Mensch abgelegt. Einer, der rund zehn Wochen zuvor getötet worden war.

Es sind die ersten Szenen des Beitrags bei "Aktenzeichen XY… ungelöst". Geschneit haben kann es zwar nicht an jenem Tag im Jahre 1988, schließlich war es der 21. Juni. Für die filmische Darstellung können die unterschiedlichen Jahreszeiten aber vernachlässigt werden. Rund 14 Minuten lang wurden die Ermittlungen zum Fund der Frauenleiche von 1988 am Mittwoch im ZDF präsentiert. Es ging um die Analysen, um den Irrtum beim Geschlecht – erst galt die Leiche als Frau, dann als Mann und nun wieder als Frau. In dem Kriminalfall steckt viel Wissenschaft: Die Gerichtsmediziner fanden dank moderner Methoden seit Wiederaufnahme des Falles 2017 heraus, dass die Frau wahrscheinlich in einer Gebirgsregion im südlichen Polen oder in der Ukraine nahe der Grenze aufgewachsen sein muss. Später lebte sie vermutlich in der Schweiz oder in Norditalien, ehe sie nach Südasien, etwa nach Indien, zog. 1988 gingen die Ermittler zunächst noch davon aus, dass die Waldarbeiter eine aus Asien stammende Frau entdeckt hatten. Deshalb ermittelten die Polizisten, wie im Filmbeitrag zu sehen war, auch in einem Rosbacher Bordell – allerdings ohne Ergebnis.

Ralf Zentgraf

Ein Ergebnis, das wollen der Gießener Staatsanwalt Thomas Hauburger und der Friedberger Kriminalhauptkommissar Ralf Zentgraf endlich haben. Zunächst geht es ihnen nur um einen Treffer bei der Suche nach der Identität des Opfers. Stehe die nicht fest, könne man auch nicht nach einem Motiv suchen, machte Hauburger vor seiner Reise nach München ins XY-Studio deutlich.

Ermittler bekommen neue Hinweise nach TV-Sendung "Aktenzeichen XY"

Vielleicht sind er und die anderen Ermittler durch den ZDF-Auftritt einen guten Schritt weiter gekommen. Hauburgers Kollege Rouven Spieler gab am Donnerstag gegenüber der WZ Auskunft: So seien etwa 60 Hinweise direkt bei der Polizei in Friedberg eingegangen, außerdem 62 im Aktenzeichen-Studio. Überwiegend seien es Angaben zum damaligen Vertriebsweg des Ohrsteckers gewesen, sagte Spieler. Der Ohrstecker sei "das einzig Markante, was bei der Leiche gefunden wurde", sagte Zentgraf in der Sendung.  Das ZDF schrieb im Nachgang: "Bei dem sternförmigen Ohrstecker, der bei der Toten gefunden worden war, handelt es sich nach Meinung mehrerer Zuschauer um einen medizinischen Stecker, der beim ersten Stechen eines Ohrlochs verwendet wird. Auch diese Neuigkeit könnte die Ermittlungen vorwärts bringen."

Der Fundort der Leiche ist mit einem Pfeil markiert. Die Stelle liegt nahe der A 5 neben einem Weg, der damals zwischen Rosbach und Köppern verlaufen ist.

Darüber hinaus hat es laut Staatsanwalt wenige Hinweise zu vermissten Personen gegeben. Auf einem dieser Vermisstenhinweise ruhen jetzt die Hoffnungen der Ermittler. Er sei ziemlich konkret, es gehe um eine Frau aus Polen, die seit den 80er Jahren vermisst werde, erläuterte Spieler.  Dieser Spur wird nun nachgegangen – man kläre es mit den polnischen Behörden. Es hatte bereits vor der Sendung einen Vermisstenfall aus Polen gegeben. Dabei hatte es, wie sich zeigte, aber nicht um die bei Rosbach gefundene Leiche gehandelt. Bei allen 122 Hinweisen ging es nun um die Identifizierung des Opfers. Es hatte sich zum Beispiel niemand dahingehend gemeldet, dass sich ein mutmaßlicher Täter verplappert hätte.

Lesen Sie auch: Ungeklärter Mordfall - Kennen Sie diese Frau?

Wichtig für die Ermittlungen ist auch der Fundort. Laut Hauburger spricht Vieles dafür, "dass der Täter die Autobahn an der Anschlussstelle Friedberg verlassen hat, um den Leichnam zu entsorgen, denn bis zu dem Auffindeort ist es von dort nur ein Katzensprung". In der Vergangenheit wurden auch die Varianten genannt, dass jemand auf dem Standstreifen angehalten haben könnte, um sich der Leiche zu entledigen, oder dass jemand über einen Feldweg gekommen sein könnte.

"Wir sind uns ganz sicher, dass diese Frau irgendwo vermisst wird", machte Hauburger im Gespräch mit XY-Moderator Rudi Cerne deutlich. Die Sache werde dadurch erschwert, dass die Frau nicht aus Deutschland stamme und dass sie sich überwiegend im Ausland aufgehalten habe. Aus dem benachbarten Ausland kommt jetzt aber ein Hoffnungszeichen für die Ermittler.

Info: 

Hauptkommissar Ralf Zentgraf vermittelte den ZDF-Zuschauern am Mittwochabend Erkenntnisse auf Basis der Obduktionsergebnisse von 1988 und der Isotopenanalyse und der Gesichtsrekonstruktion, die seit der Wiederaufnahme des Kriminalfalles aus der Wetterau 2017 vorgenommen worden waren. Demnach wurde die getötete Frau zwischen 1953 und 1963 geboren. Im April oder Mai 1988 wurde sie getötet. Die Frau soll etwa 1,65 Meter groß und schlank gewesen sein und mittelbraune gelockte Haare gehabt haben. Ihre Schuhgröße war 34 bis 35, die Getötete hatte die Blutgruppe A. "Die Frau hatte für ihr Alter sehr schlechte Zähne", sagte Zentgraf. Insgesamt habe sie 17 Füllungen gehabt – vor allem aus Silberamalgam, nicht nach westeuropäischem Standard gefertigt. Zudem wurde ein Vorbiss nachgewiesen.

von Christoph Agel

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