Loshäuser Familie hält Schwälmer Tradition aufrecht und nutzt den Dorfofen

Loshausen. Es ist Samstag, früh morgens, in Loshausen. Im Hause Schleicher in der Straße Am Backhaus herrscht reges Treiben. Die Familie ist zusammengekommen, um der Schwälmer Tradition des Brot- und Platzbackens nachzugehen.

Mollig warm ist es in der Waschküche des Fachwerkhauses, das Karl Heinz (68) und Gisela Schleicher (63) mit ihrer jüngsten Tochter Sandra (35) und deren Ehemann Maik Wagner (34) bewohnen. 27 Grad zeigt das Thermometer an, optimal für den am Vorabend angesetzten Sauerteig.

Zusammen mit ihrer Tochter Petra Schultheis (44) und Schwiegersohn Maik Wagner bearbeitet Gisela Schleicher den Teig aus Schwälmer Roggenmehl im großen Holztrog. Unterstützt werden sie dabei von Enkelin und Nichte Sophie Hetche (11). Während die Erwachsenen die schweißtreibende Arbeit des Knetens übernehmen und ab und an Wasser hinzugießen, gibt die Elfjährige Mehl hinzu, bis insgesamt ein Zentner Mehl zu einer zähen Teigmasse verarbeitet ist. Daraus formt die Familie 25 Brote und rollt Teig für fünf Bleche Zwiebel-, Apfel-, Eier- und Kartoffelplatz aus. Belegt werden die Bleche von den Schwestern Petra und Sandra, die fleißig Äpfel und Zwiebeln schälen, die Kartoffelmasse mit Kräutern vermengen und die Bleche damit belegen und bestreichen.

Loshäuser Familie hält Schwälmer Tradition aufrecht

Währendessen heizt Karl Heinz Schleicher im 100 Meter entfernten Backhaus den Ofen mit Reisig und Hartholz vor. Um das Brot einschießen zu können, muss der Ofen von der Glut gereinigt werden und die Temperatur von 400 auf 280 Grad herunterkühlen. Zur Kontrolle hat Karl Heinz Schleicher sein eigenes Thermometer hergestellt. Gegen 13 Uhr ist es soweit: „Wir können einschießen“, lässt er seine Familie wissen.

Die hat sich bereits im Backhaus versammelt und mit vereinten Kräften und geübten Handgriffen Brot und Platz im Nu im Ofen. „Fünfeinviertel Stunden braucht das Brot, der Platz nur 25 Minuten“, erklären die Schleichers. Auch beim „Ausschießen“ packen drei Generationen beherzt mit an. In freudiger Erwartung auf das leckere, duftig-frische Backergebnis helfen auch die beiden Enkel Christian (22) und Florian Schultheis (20) mit.

Die Familie ist die einzige im Ort, die das Backhaus regelmäßig nutzt. „Wir backen zwei bis drei Mal im Jahr. Was nicht gleich gegessen wird, wird eingefroren“, berichtet Petra Schultheis. „Um die Tradition weiterzuführen, backen alle mit“, sagt Maik Wagner.

Von Kerstin Heist

Quelle: HNA

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