"Zu wenig Durchhaltevermögen"

Zahl der Chöre und Sänger sinkt: Der frische Wind fehlt

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Voller Terminkalender: Neben Geburtstags- und Jubiläumsständchen sowie Auftritten bei Festlichkeiten und Gottesdiensten stehen auch abendfüllende Konzerte, wie das Adventskonzert 2014 in der Stadtkirche Fritzlar (Foto), auf dem Jahresplan der 35 Sängerinnen und Sänger in Geismar.

Schwalm-Eder. Der Mitteldeutsche Sängerbund (MSB) schlägt Alarm: Die Zahl der Chöre und Sänger geht stark zurück. Wie sehen das die aktiven Chormitglieder und -leiter im Landkreis?

„Wo man singt, da laß’ dich ruhig nieder“, diesen guten Rat gab schon der deutsche Schriftsteller und Dichter Johann Gottfried Seume am Ende des 18. Jahrhunderts.

Vor allem in den 1960er- und 70er-Jahren bekam dieser Satz eine besondere Bedeutung für die Vereinsstrukturen in Deutschland, denn damals bildeten sich viele Chorgemeinschaften, Sängerkreise und Chöre, die zu einem festen Bestandteil geselliger Gemeinsamkeit wurden.

Heute sieht es mit den Chören vielerorts jedoch nicht mehr so rosig aus. Die Anzahl der aktiven Sänger, vor allem im ländlichen Bereich, sinkt. Immer wieder kommt es zur Auflösung von Chören und der Nachwuchs lässt seit Jahren auf sich warten.

Sonja Störmer

Sonja Störmer ist seit 2011 Chorleiterin der Chorvereinigung Geismar und des gemischten Chores. Bereits zehn Jahre zuvor trat sie dem Gesangsverein als Sängerin bei, zu dieser Zeit formierte sich parallel zum Gemischten Chor ein neuer Frauenchor, die „New Voices“. Frischer Wind kam in die Struktur des bestehenden Vereins, neue Lieder wurden gesungen und einige junge Frauen schlossen sich dem Chor an.

Das würde sich die Chorleiterin auch für die heutige Zeit wünschen - doch bei gerade einmal zwei Neuzugängen in den letzten zwei Jahren kann man von frischem Wind nicht sprechen.

Den meisten neuen Mitgliedern von Chören fehle es an Durchhaltevermögen, erklärt Jörg Fuchs. Er leitet gemeinsam mit Jutta Kaiser den Gemischten Chor von Oberurff-Schiffelborn. Vereinzelt kämen hin und wieder interessierte Sänger, doch die meisten ließen sich nicht gerne auf Verbindlichkeiten ein.

In der Tat haben die Chöre teilweise viele Termine in ihrer Jahresplanung: Auftritte im Gottesdienst, Geburtstags- und Jubiläumsständchen, Auftritte bei Festlichkeiten und abendfüllende Konzerte. Das sei vielen zu viel und so falle ein Großteil des Chornachwuchses schon nach kurzer Zeit wieder weg.

Wenn jedoch keine jungen Sänger nachkommen, dann werden noch mehr Chöre in den nächsten Jahren wegen Überalterung schließen müssen.

Dabei macht Singen so viel Spaß und die Vereine und Verbände haben eine Menge zu bieten. Chorleiterausbildung, Fortbildungen für Sängerinnen und Sänger, gemeinsame Fahrten und Freundschaften, die sich bilden und festigen. Die Mitgliedschaft in einem Chor ist alles andere als langweilig.

Doch wenn die bestehenden Vereine erhalten bleiben sollen, sieht Bundeschorleiter Wenzel nur eine Chance in der Neugründung von Chören. In größeren Städten, wie beispielsweise Marburg, habe man damit durchaus Erfolg.

Von Christl Eberlein

Quelle: HNA

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