Oft zwei Stunden täglich unterwegs 

NVV: Der Weg zum Job frisst viel Zeit

Jede Minute zählt: Isabella Scholz aus Bad Zwesten fährt täglich mit dem NVV zu ihrem Arbeitsplatz nach Gensungen. Mit dem neuen Fahrplan aber verlängert sich ihr Arbeitsweg oft um die doppelte Zeit. Foto:  Brandau

Bad Zwesten/Gensungen. Seit Dezember dauert der Arbeitsweg der Altenpflegerin Isabella Scholz aus Bad Zwesten wesentlich länger als zuvor. Der Grund ist die Fahrplanänderung des Nordhessischen Verkehrsverbunds (NVV).

Wenn sie Pech hat, ist sie bald zwei Stunden von ihrem Arbeitsplatz in Gensungen zurück nach Bad Zwesten unterwegs.

Morgens um halb sieben ist die Welt der 38-Jährigen noch in Ordnung. Dann steigt sie ins Anruf-Sammeltaxi (AST) nach Kleinenglis, nimmt von dort den Bus nach Borken und fährt mit dem Zug weiter nach Gensungen. Vom Bahnhof marschiert sie wenige hundert Meter zu ihrer Arbeitsstelle, wo sie gegen viertel vor acht die Tür aufmacht.

Bibbert um jede Minute

An all dem hat sich auch mit dem Fahrplanwechsel nichts geändert. Doch der Heimweg ist nun viel schwieriger - und wenn sie Pech hat, auch viel länger - geworden. Denn vom Borkener Bahnhof fährt seit Dezember ein Bus nach Kleinenglis. Fünf Minuten Zeit hat sie, vom Bahngleis zur Bushaltestelle zu eilen und an Bord zu klettern. Zu wenig Zeit, sagt Isabella Scholz.

Denn der Bus fährt auf die Minute genau ab. Und die Regiotram hat oft ein bis zwei Minuten Verspätung, denn sie muss sich auf der Strecke von einem anderen Zug überholen lassen. Der Fahrer des Sammeltaxis, das bisher auf der Linie eingesetzt war, hatte immer gewartet, bis der Zug aus Gensungen kam. Der Busfahrer dagegen muss losfahren, wenn er den Fahrplan einhalten will.

„Wenn ich den Bus erwische, sitze ich oft als einziger Fahrgast drin.“

Für die 38-Jährige bedeutet das Stress ohne Ende. Sie sitzt nach Feierabend im Zug und bibbert um jede Minute, die der zu spät in Borken einläuft. Und diese eine Minute kann Isabella Scholz eine Stunde kosten: Solange muss sie dann am Borkener Bahnhof auf den nächsten Bus nach Kleinenglis warten. Und ist immer noch nicht zu Hause.

Für die 24,4 Kilometer, die laut Google-Maps zwischen Bad Zwesten und Gensungen liegen, ist sie an diesen Abenden zwei Stunden unterwegs. Mit dem Auto, sagt Google-Maps, würde man 25 Minuten brauchen. Für Isabella Scholz ist der lange Arbeitsweg nicht akzeptabel.

Sie hat nun mehrere Möglichkeiten: a) Sie schickt sich ins Unvermeidliche und beweist weiter starke Nerven. Kaum vorstellbar, sagt sie. b) Sie zieht nach Gensungen. Schwierig, da sie mit ihrem alten Vater zusammenwohnt, der nicht umziehen will. c) Sie sucht sich eine neue Stelle, am besten in Bad Zwesten. „Ungern“, sagt Scholz. Sie fühlt sich im neuen Job sehr wohl. d) Sie schafft sich ein Auto an. „Unbezahlbar“ sagt sie, die bislang 120 Euro fürs Monatsticket zahlt.

Sammeltaxi wäre ihr lieber

Ihr Wunsch: Dass der Nahverkehr Schwalm-Eder zur besten Berufsverkehrzeit wieder ein Anrufsammeltaxi einsetzt. Das, sagt die 38-Jährige, würde die Arbeitszeit verkürzen - und viele Pendler massiv entspannen. Und es wäre ohnehin viel praktischer und kostengünstiger. „Wenn ich den Bus erwische, sitze ich oft als einziger Fahrgast drin.“ Und das, sagt die 38-Jährige, sei schließlich weder kostengünstig noch umweltfreundlich.

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Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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